Text des Monats März 2018

Prometheus und Zeus im Zwiegespräch

Prometheus von Johann Wolfgang von Goethe (1776)

Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst!
Und übe, Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn!
Mußt mir meine Erde
Doch lassen stehn,
Und meine Hütte,
Die du nicht gebaut,
Und meinen Herd,
Um dessen Glut
Du mich beneidest.

   Ich kenne nichts Ärmeres
Unter der Sonn als euch Götter.
Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät
Und darbtet, wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Toren.

   Da ich ein Kind war,
Nicht wußte, wo aus, wo ein,
Kehrte mein verirrtes Aug
Zur Sonne, als wenn drüber wär
Ein Ohr zu hören meine Klage,
Ein Herz wie meins,
Sich des Bedrängten zu erbarmen.

   Wer half mir wider
Der Titanen Übermut?
Wer rettete vom Tode mich,
Von Sklaverei?
Hast du's nicht alles selbst vollendet,
Heilig glühend Herz?
Und glühtest, jung und gut,
Betrogen, Rettungsdank
Dem Schlafenden da droben?

   Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladenen?
Hast du die Tränen gestillet
Je des Geängsteten?

   Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allmächtige Zeit
Und das ewige Schicksal,
Meine Herren und deine?

   Wähntest du etwa,
Ich sollte das Leben hassen,
In Wüsten fliehn,
Weil nicht alle Knabenmorgen-
Blütenträume reiften?

   Hier sitz ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht, das mir gleich sei,
Zu leiden, weinen,
Genießen und zu freuen sich,
Und dein nicht zu achten,
Wie ich.

 

Und das würden einige Schüler der 6b an Zeus‘ Stelle Prometheus antworten:

Und Zeus antwortete:

„Prometheus, du schwacher Mann, du elender Gott, du hässliche Gestalt!

Wagst es den großen, tollen Göttervater Zeus in Frage zu stellen? Du weißt nicht, mit wem du dich anlegst! Ich bin es – Zeus, der große Herrscher und Meister! Ich schau auf dich herab, du kleiner, schlimmer Gott!

Ich bin der, den alle lieben und verehren, der bei der ganzen Welt bekannt und beliebt ist, den alle Frauen lieben und verehren. Du denkst, dich habe alles falsch gemacht in meinem wunderbaren Leben?

Nein.

Ich, der Meister, bestimmt nicht. Zeus ist nicht kindisch, er verhält sich nicht schlecht, er stellt keine unnötigen Anforderungen, er ist nicht von den Menschen abhängig, er lässt niemanden im Stich oder kümmert sich nicht. Er handelt nicht schlecht, er übertreibt nicht, er gibt sehr wohl Vertrauen, er wird verehrt und ist zu jedem Lebewesen überaus freundlich. Du erschaffst vielleicht ein paar Menschen, aber ich, ich regiere über die ganze, gesamte Welt als großer und gütiger Gottvater.“

(Antonia Posch, 6b)

 

 

Und Zeus antwortete:

„Ich sage dir, Prometheus, ich bin nicht kindisch, denn ich bin der höchste Gott und stehe über allem. Wie hätte ich all die Jahre die Götter leiten können, wenn ich kindisch wäre? Auch nehme ich dir nicht alles Wichtige weg, denn ich begehre deinen Besitz nicht, er ist wertlos für mich. Und neidisch bin ich schon gar nicht, denn es gibt nichts, worauf ich neidisch sein könnte.

Außerdem, wenn du sagst, dass die Götter schlecht sind und nur du allen wohlgesonnen, dann widersprichst du dir selbst, denn auch du gehört dem Geschlecht der Götter an. Ebenfalls stellen wir keine unnötigen Forderungen, denn wenn du schon diese Wesen, diese Menschen, erschaffen durftest, so müssen sie uns auch etwas bringen. Doch wir sind nicht von den Menschen abhängig, denn wir können für uns selbst sorgen.

Und wenn du sagst, ich lasse die Menschen im Stich, dann liegst du falsch, denn ich bin nicht ihr Schöpfer. Das bist allein du und du musst ich um deine Kinder kümmern.

Wieso soll ich nicht geehrt, verehrt und geachtet werden, wenn ich darüber entscheiden kann, ob jemand zu Tode kommt oder nicht?

Du lügst ebenfalls, wenn du behauptest, dass über mir Zeit und Schicksal stehen, denn ich bin der Höchste, der Allmächtige und kein anderer.

Und nun geh mir aus den Augen!“

(Julia Nina Rauscher, 6b)

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