Geschichte

Vorwort

Anne-Frank-Gymnasium

Das Anne-Frank-Gymnasium ist stolz darauf, nicht nur eine moderne, leistungsstarke Schule mit einem besonderen pädagogischen Profil zu sein, sondern auch eine Schule mit Geschichte und mit gelebter, bewusst entfalteter Tradition. Gerade angesichts der Reformen, die das bayerische Gymnasium in den letzten Jahren erfahren hat, ist der stabilisierende Faktor der Tradition von hohem Wert. Dank der Kontinuität langjähriger pädagogischer Erfahrung, eines klar umrissenen Leitbilds und eines gelebten Schulprofils, verbunden mit der konstruktiven Zusammenarbeit aller Mitglieder der Schulgemeinschaft und dem Einsatz aller am Schulleben Beteiligten, unterstützt von Seiten des Sachauswandträgers, steht die Schule gefestigt im Hier und Jetzt. Sicherlich werden die kommenden Jahre und Jahrzehnte die Schule vor neue Aufgaben stellen, die es zu meistern gilt. Mit den Erfahrungen aus mehr als 75 Jahren Schulgeschichte kann das AFG den Herausforderungen der Zukunft mit Zuversicht entgegenblicken.

 

In der Folge erhalten Sie einen Überblick über die wichtigsten Etappen der Geschichte des Anne-Frank-Gymnasiums Erding.

Gründung und frühe Jahre

(Quelle: Bildarchiv Museum Erding)

Die Geburtsstunde des heutigen Anne-Frank-Gymnasiums Erding liegt im Jahr 1938, einer Zeit, die von der Diktatur der Nationalsozialisten geprägt war. Das Gebäude, in dem das „Deutsche Schulheim“, eine staatliche Schule, die nach der heutigen Zählung mit der 7. Klasse begann und nach 6 Jahren zum Abitur führen sollte, untergebracht wurde, war bereits seit dem 19. Jahrhundert vom Orden der Armen Schulschwestern für schulische Zwecke genutzt worden. 1938 beschloss das nationalsozialistische Regime kurzerhand die Auflösung der Klosterschule und widmete das Gebäude um. Die Aufbauschule nahm am 26. April 1938 – der Schuljahresbeginn lag in der damaligen Zeit im Frühjahr – den Schulbetrieb auf und war zunächst nur für Mädchen bestimmt, wobei Knaben jedoch ein Gastrecht zukam. Die Schule etablierte sich schnell, doch wurde bereits 1941 mit der 6-klassigen Oberschule für Jungen ein neuer Schultyp eingerichtet, der alte hingegen abgebaut. Nicht nur Schulreformen sondern auch der Krieg selbst hatten Auswirkungen auf den Schulbetrieb in Erding, denn als im Frühjahr 1945 im Schulgebäude ein Flüchtlingslager eingerichtet wurde, kam der Unterricht bald gänzlich zum Erliegen. Als der Unterrichtsbetrieb im November 1945 provisorisch wieder aufgenommen wurde, mangelte es am Allernötigsten – an Büchern, Heizmaterial, Lehrern und vor allem an den nötigen Räumen, denn im Herbst 1945 war dem Orden der Armen Schulschwestern ihr ehemaliges Schulgebäude zurückgegeben worden, welche darin mit einer Mädchenmittelschule ihren eigenen Schulbetrieb wieder aufnahmen. Die 6-klassige Oberschule für Jungen, die jetzt die Bezeichnung „Oberrealschule“ trug, wurde mit den Klassen 7 und 8 um eine Oberstufe erweitert, so dass die Raumnot bald derart eklatant wurde, dass das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus drohte, die Erdinger Oberrealschule gänzlich auslaufen zu lassen. Den Verantwortlichen der Stadt und des Landkreises Erding, dem damaligen Schulleiter Prof. Dr. Peregrin Zistler und einem großen Teil der Elternschaft der Schule, die sich zur „Notgemeinschaft der Freunde der Oberrealschule Erding“, dem Vorläufer des heutigen Fördervereins der Schule, zusammenschlossen, ist es zu verdanken, dass letztendlich im Oktober 1951 mit einem Neubau eines Schulgebäudes auf der Heilig-Geist-Wiese begonnen werden konnte.

Im April 1953 konnten 11 Klassen den ersten Bauabschnitt beziehen, der bis 1961 noch um Flachbauten erweitert wurde. Nicht nur das Schulgebäude wurde gestaltet, eine Schulreform bescherte den Schülerinnen und Schülern auch ein weiteres Schuljahr, die damalige 9. Klasse. Die Schule erfreute sich  großer Beliebtheit, so dass die Schülerzahlen rasch anstiegen. Dass der Bau, der für 400 Schülerinnen und Schüler konzipiert war, bald zu eng werden würde, war abzusehen, weshalb 1963 der Landkreis Erding die Trägerschaft der Schule von der Stadt übernahm, um ihr mit seinen Finanzmitteln zu einem größeren Gebäude zu verhelfen. Zunächst erhielt die Schule jedoch den neuen Namen „Gymnasium Erding“, der auf eine bundesweite Umgestaltung der Schullandschaft zurückgeht, bei der auch die bis heute gängige Zählweise der Jahrgangsstufen von 5 an eingeführt wurde. Mit dem Schuljahr 1966/67 wurde auch der neusprachliche Zweig eingeführt und ein reichhaltiges Angebot an Wahlunterricht und Arbeitsgemeinschaften aufgenommen. Die Raumproblematik blieb jedoch vorherrschendes Thema, es mussten Klassen ausgelagert werden, um die 878 bildungswilligen jungen Menschen unterzubringen, die die Schule zu Beginn des Schuljahres 1969/1970 zählte.

Von den 1970er bis zur Jahrtausendwende: Wachstum, Innovation und internationale Kontakte

(Quelle: Bildarchiv Museum Erding)

Doch bereits 1968 wurden die Pläne für eine Erweiterung des Gebäudes in die Tat umgesetzt. Leider waren die Räumlichkeiten bereits kurz nach ihrer Fertigstellung erneut zu klein, so dass um- und neugebaut wurde. Erst 1977 konnten alle Klassen des Gymnasiums Erding wieder unter einem Dach unterrichtet werden, was für den Schulbetrieb ein großer Gewinn war. Die permanente räumliche Umgestaltung ging einher mit pädagogischer Innovation durch die Teilnahme an verschiedenen Schulversuchen. Im Herbst 1970 nahm die Schule am Schulversuch „Kooperative Gesamtschule“ teil, der zwar bald eingestellt wurde, jedoch in dem Schulversuch zur Erprobung der Orientierungsstufe in Zusammenarbeit mit den Erdinger Hauptschulen in Teilen bis 1994 fortgeführt wurde.  Bereits im Schuljahr 1971/1972 wurde der Schulversuch zur Neugestaltung der Oberstufe aufgenommen, welcher erfolgreich endete und mit Beginn des Schuljahres 1977/78 zur Verbindlichen Einführung der sogenannten Kollegstufe an allen Gymnasien Bayerns führte. In den 80er und 90er entwickelte sich das Gymnasium Erding zu einer modernen Schule mit breitgefächertem Angebot. Neuerungen technischer Art wie z. B. die erste Computeranlage für Unterricht und Verwaltung, die bereits in einem Schulversuch 1979 erprobt worden war, fanden Einzug in das Gymnasium. Nicht nur die Qualität der Unterrichtsarbeit wurde weiter verbessert, sondern auch neue Ausbildungsrichtungen, z. B. Italienisch als spätbeginnende Fremdsprache, weitere Wahlkurse und das Betriebspraktikum in der 9. Jahrgangsstufe wurden auf den Weg gebracht. An der Schule gab es bereits damals ein reges schulisches Leben, es wurden zahlreiche Projekte und Studientage durchgeführt, man beteiligte sich zunehmend an vielfältigen Schülerwettbewerben und die Schultheatergruppe wurde 1984 sogar mit dem Kulturpreis des Landkreises Erding ausgezeichnet. Nicht nur dies sondern auch der Ausbau der Bibliothek zur Landkreisbibliothek beweist den Stellenwert der Schule als kulturelle Einrichtung im Landkreis Erding.

Längst hatte die Schule Verbindungen ins Ausland aufgebaut und Partner in Europa gefunden. Der traditionsreichste Schüleraustausch, die Partnerschaft mit dem Lycée Freppel in Obernai/Elsaß, wurde bereits 1999 zum 30-jährigen Bestehen groß gefeiert. Auch mit Italien und England baute die Schule Austauschprogramme auf. Hierzu traten Partnerschaften mit Schulen in Australien und den USA, die heute noch gepflegt werden. Im neuen Jahrtausend konnten diese Kontakte noch um einen Austausch mit dem „Gimnazjum 23“ in Krakau erweitert werden.

Das Gymnasium Erding im neuen Jahrtausend: Innere Schulentwicklung, Leitbild und Schulprofil

An der Schwelle zum neuen Jahrtausend gewann der Begriff „Innere Schulentwicklung“ an Bedeutung, was sich am Gymnasium Erding an der Einrichtung der sogenannten „Montagsgruppe“, einem Arbeitskreis aus Lehrern, Eltern, Schülern, zeigte, die Schule mitgestalteten. Seit 1998 bietet der schulpsychologische Dienst Schülern, Eltern und Lehrkräften ein breitgefächertes Beratungsangebot, das nicht nur für Schüler des Anne-Frank-Gymnasiums eine wichtige Hilfe bei Problemen im Lern- und Leistungsbereich, Ängsten in Bezug auf Prüfungen oder Problemen im Umgang mit Mitschülern, Lehrern oder Eltern darstellt. 1999/2000 wurde eine schulinterne Hausaufgabenbetreuung ins Leben gerufen – damals noch ohne staatliche Zuschüsse –, was bald darauf zur Gründung des Hausaufgabenbetreuungsvereins e. V. führte. Seit der Einführung der Offenen Ganztagsschule bereichert die Hausaufgabenbetreuung die Zeit nach dem Unterricht durch vielfältige individuelle Förderangebote wie z. B. Konzentrations- oder Rechtschreibtraining. Die sozialen Belange wurden im neuen Jahrtausend mit der Einführung der Schulsozialarbeit weiter gestärkt. Zur Teilfinanzierung dieses Projekts findet seither alle zwei Jahre ein großer Sponsorenlauf im Stadtpark statt, bei dem Schüler und Lehrer die notwendigen Finanzmittel für die Arbeit von Sozialpädagogen an der Schule erlaufen. Im Jahr 2000 selbst beteiligte sich das Gymnasium Erding erneut an einem Schulversuch mit dem Titel „Achtjähriger Durchlauf durch das Gymnasium“, mit dem die leistungsstarken Schüler des G9 gefördert werden sollten. Mit Beginn des Schuljahres 2004/05 beendete die Einführung des G8 den o.g. Schulversuch. Im Jahr 2000 konnte die Schule erneut ein feierliches Jubiläum begehen und auf 50 Jahre erfolgreiche Arbeit des Fördervereins zurückblicken. Bereits in den 90er Jahren stand die Schule vor räumlichen Engpässen, die im Jahr 2001/2002 zu Containerklassenzimmern führten. Erleichterung ergab sich im Schuljahr 2004/2005, als das „Gymnasium Erding II“, das heute Korbinian-Aigner-Gymnasium heißt, den Unterrichtsbetrieb aufnahm.

Mit nun zwei Gymnasien am Standort Erding war es unausweichlich, dass der Prozess der Namensgebung des Gymnasiums Erding vorangetrieben werden musste. Ein aussagekräftiger Name sollte gefunden werden. Großen Anteil daran hatte u.a. der Arbeitskreis „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, der seit 2001 an der Schule besteht. Am 1. August 2005 wurde der Schule durch das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus der Name Anne-Frank-Gymnasium Erding verliehen. Das nächste Schuljahr stand ganz im Zeichen des neuen Namens, ein zum Namen passendes Leitbild mit Werten wie beispielsweise Völkerverständigung, Toleranz, respektvoller Umgang miteinander, Antirassismus wurde entwickelt. Vor der großen Namensgebungsfeier am 7. Juli 2006 organisierte die Schule im Juni eine Anne-Frank-Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Anne-Frank-Zentrum Berlin, die im ganzen Landkreis auf große Resonanz stieß. Sehr erfreulich verlief im darauffolgenden Schuljahr die externe Evaluation, die u. a. die hohe Identifikation mit den Werten des Schulnamens hervorhob.

Im Jahr 2009 musste der Chemietrakt infolge eines Brandes gänzlich erneuert werden, was mitten im laufenden Schuljahr keine leichte Aufgabe darstellte. Doch brachte dieses Jahr auch einen Anlass zum Gestalten und Feiern, denn im Jahre 2009 wäre die Namensgeberin der Schule 80 Jahre alt geworden, was durch Theaterstücke, Lesungen, Filme und Vorträge von Zeitzeugen mit den Schülern thematisiert wurde. Dabei wurde auch der Lichthof der Schule mit der Holzskulptur „Raum für Anne Frank“ von Schülerinnen und dem ehemaligen Lehrer und Holzbildhauer Wolfgang Fritz gestaltet. Mit der Neugestaltung eines weiteren Hofs, des sogenannten „Chagall-Hofs“, wurde das Thema Schulhausgestaltung ein fester Bestandteil des Schulprofils, der bis heute kontinuierlich zur Verschönerung des Schulgebäudes und -geländes beiträgt.

Das AFG – eine traditionsbewusste und moderne Schule im 21. Jahrhundert

Auch in den letzten Jahren ist viel passiert am Anne-Frank-Gymnasium. Eine besondere Freude war für die Schule die Ankündigung, dass sie einen Ableger der echten Anne Frank-Kastanie erhalten würde, welcher im Schulhof eingepflanzt und im Oktober 2010 feierlich eingeweiht wurde. Das Schulgelände erfuhr eine weitere Bereicherung durch den Schulgarten, der im Rahmen eines P-Seminars unter großem Einsatz angelegt wurde. Eine Herausforderung stellte im Jahr 2011 für alle Schulen in Bayern der doppelte Abiturjahrgang dar, der dem G9 ein Ende setzte. Nachdem alle Prüfungen gut vorüber und die Abiturienten entlassen waren, stand eine räumliche Umgestaltung an. Der Physiktrakt wurde neu gestaltet und mit modernster Technik ausgestattet, was für das naturwissenschaftlich-technologische Gymnasium einen enormen Gewinn brachte. Im Jahr 2012 wurden erstmals einige Klassenzimmer renoviert, was seither fortgeführt wird und Schüler wie Lehrer gleichermaßen erfreut. Das Jahr 2013 war für das Anne-Frank-Gymnasium ein ganz besonderes Jahr, denn die Schule beging das 75-jährige Jubiläum ihres Bestehens mit einem Feuerwerk an Veranstaltungen. Dazu zählten neben dem Festakt beispielsweise ein Jubiläumskonzert, ein Jubiläumstheaterabend, ein Bunter Abend, ein Sportturnier für Ehemalige, ein Ökumenischer Festgottesdienst und ein Tag der Offenen Tür. Das Jubiläumsjahr nahm die Schule auch zum Anlass zurückzublicken: In den 75 Jahren ihres Bestehens hat das Anne-Frank-Gymnasium Erding viele Herausforderungen gemeistert und sich einen guten Ruf als höhere Bildungsanstalt in Stadt und Landkreis erarbeitet. Etwa 5000 junge Menschen hat die Schule im Laufe der vergangenen 7 ½ Jahrzehnte zum Abitur geführt und durch sie alle ist die Verbindung der Schule mit der Bevölkerung von Stadt und Landkreis enger geworden. Man stand gefestigt im Jubiläumsjahr mit offenem Blick für neue Herausforderungen.

In das Schule 2013/2014 startete man mit einer großen technischen Neuerung, denn im Sommer war die Schule von Seiten des Landkreises mit interaktiven Whiteboards ausgestattet worden, die der Landkreis allen seinen weiterführenden Schulen zugedacht hatte. Auch räumlich sollte es in diesem Schuljahr mit der Renovierung des Biologietrakts eine große Veränderung geben, bei der moderne Übungssäle für den Biologieunterricht sowie das Fach Natur und Technik entstanden. Doch nicht nur das Gebäude wurde modernisiert, die Schule arbeitete auch an einem Konzept für den Gebundenen Ganztag, den sie neben der Offenen Ganztagsschule ab dem Schuljahr 2014/2015 anbieten wollte. Konzept und Mittel wurden genehmigt und man startete im September 2014 mit zwei Klassen in die Gebundene Ganztagsschule. Mit dem neuen Schuljahr beschäftigte das Thema Raumbedarf die Schule immer mehr, Gespräche mit dem Sachaufwandsträger wurden geführt. Im Schuljahr 2015/2016 steht nun fest, dass ein Erweiterungsbau geplant ist, in dem neben Räumen für die Gebundene und Offene Ganztagsschule auch eine Mensa untergebracht sein wird. Die Baumaßnahme wird verbunden mit der Schaffung einer Dreifachturnhalle, die an Stelle der drei einzelnen Turnhallen entstehen wird. Für die Schule stellt dieser Beschluss eine enorme Bereicherung dar, die neue Wege in vielen Bereichen eröffnen wird.