Erasmus+

Der Anfang war klein und übersichtlich: Als im letzten Schuljahr drei Lehrer aus dem nordfinnischen Oulu am Anne Frank-Gymnasium zum sog. „Job Shadowing“ zu Besuch waren, war allen Beteiligten noch nicht klar, was sich daraus entwickeln würde. Das Interesse der finnischen Kollegen und ihre Freude an den vielfältigen Aktivitäten am Anne-Frank-Gymnasium waren so groß, dass beim Gegenbesuch der Erdinger Kollegen in Finnland gleich ein größer angelegtes Projekt besprochen wurde: So konnte mit einem französischen Gymnasium aus der Nähe von Lyon nicht nur eine dritte Schule mit ins Boot geholt, sondern auch gleich bei Erasmus plus, dem  EU Förderprogramm für Schulen, ein Förderantrag gestellt werden, der nach einem aufwendigen Bewerbungsverfahren positiv beschieden wurde. Somit ist das Anne Frank-Gymnasium eine offizielle Erasmus plus-Schule geworden.

Das Austauschprogramm, das von den Erdinger Lehrkräften Klaus Gwuzdz, Thomas Grasy und Christoph Achtnichts betreut wird, ist auf drei Jahre angelegt und dient dem kulturellen Austausch zwischen Finnland, Frankreich und Deutschland. So werden sich ausgewählte Schüler der 8. Klassen des Anne Frank-Gymnasiums im jährlichen Turnus je eine Woche in Oulu, eine Woche in Lyon und eine Woche in Erding aufhalten, um dort Projekte zu erarbeiten, die dem gegenseitigen Verständnis dienen. Die Schüler werden lernen, ihr Selbstbild als Deutscher ebenso zu reflektieren wie auch das Wechselspiel aus Fremdwahrnehmung, vorgefassten Bildern von anderen Nationen und der erfahrenen Realität vor Ort. In vielfältigen Formen werden die Schüler parallel in ihren eigenen Schulen die Ergebnisse dieser Projekte dann Mitschülern, Lehrern und Eltern ebenso präsentieren wie der gesamten Region.

So ist das erste Jahr (2017/18) überschrieben: „Bonjour/Hyvää päisää/Grüß Gott = Hello to my European neighbours!“. In Form eines Wahlkurses lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an diesem Projekt zunächst über die Internetplattform  eTwinning der EU ihre französischen bzw. finnischen Partnerinnen und Partner kennen. Sie tauschen sich über altersgerechte Themen aus. Während des für das Frühjahr 2018 geplanten Treffens von je 7 bis 8 Schülerinnen und Schülern aus den drei beteiligten Ländern im finnischen Oulu wurde eine kleine Ausstellung zum Thema „Images of my European neigh-bours“ erarbeitet, die in der jeweiligen Heimatschule zum Europatag am 09. Mai 2018 der Schulgemeinschaft präsentiert wird.

Das zweite Jahr (2018/19), das im Hinblick auf die zeitliche Organisation analog dem vorherigen Schuljahr strukturiert sein wird, soll unter dem Motto „France/Suomi/Deutschland = three ways to life in Europe“ stehen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer weiten ihren Horizont: Sie konzentrieren sich mehr auf die jeweiligen Länder und recherchieren dabei zu Themen wie Politisches System, Schulsystem, kulturelle und historische Fragestellungen. Das Ergebnis wird wieder im Mai des Folgejahres (2019) präsentiert.

Für das abschließende Schuljahr (2019/20) steht die thematische Einheit „clichés/klisee/Klischees = different people or European neighbours?“ auf der Agenda. Die Schülerinnen und Schüler werden festgefahrene Vorstellungen (= IMAGES) über die Nachbarn in Europa aufdecken und somit dazu beitragen, Vorurteile zu eliminieren und gegen Nationalismus bzw. Fremdenfeindlichkeit zu kämpfen. Eine Präsentation rundet das Gesamtprojekt im Mai 2020 ab.

Dass so ein aufwendiges Projekt auf die Beine gestellt werden kann, ist dabei im hohen Maße der Förderung durch die Europäische Union zu verdanken und es ist zu hoffen, dass das gegenseitige Verständnis dabei ebenso gefördert wird wie die Freundschaft und Zusammenarbeit von Schülern verschiedener Länder.

Thomas Grasy

 

Eisskulpturen, Eisburgen, Eismeer - Oulu im Frühjahr 2018

Es ist kalt. Saukalt. Minus 26°C – und die Kälte schmerzt im Gesicht. Schulterhoch türmen sich die Schneeberge am Straßenrand. Kein Wunder, hier in Oulu, an der nordfinnischen Küste. Doch erst hier, fast am Polarkreis, kann man erkennen, wie schön es ist, zwischen Schnee und Eis zu leben.

Wir – neun Schüler aus der 8. Jahrgangsstufe – treffen finnische und französische Schüler bei einem drei Länder umfassenden Austausch im Rahmen des ERASMUS PLUS Projekts des Anne Frank Gymnasiums. Dieses Projekt haben wir Schüler schon lang vor der eigentlichen Fahrt begonnen und uns auf die Kultur der jeweiligen Länder vorbereitet, indem wir uns mit den verschiedenen gegenseitigen Vorurteilen und Unterschieden auseinander gesetzt haben. Unsere Ergebnisse sind auf Plakaten im Schulhaus ausgestellt. Nun sind wir in Finnland und lernen Land und Leute direkt kennen.

Nicht nur Schnee schippen, sondern auch Langlaufen gehören zum finnischen Alltag. Auch wir haben Gelegenheit zum Langlaufen, sehen beeindruckende Schneebauten bei einem Internationalen Schneeskulpturen-Wettbewerb, und laufen durch ein vollständig aus Eisblöcken erbautes Schloss mit großem Restaurant und Hotelzimmern. Aber das faszinierendste Eis-Erlebnis ist natürlich der Spaziergang auf dem zugefrorenen Meer bei Sonnenuntergang – Hunderte von Kilometern bis rüber zur schwedischen Küste erstreckt sich die Eisfläche.

Dass es in Finnland richtig kalt ist, ist leider kein Vorurteil, sondern ein Faktum. Doch die Ausflüge, die wir hier unternehmen, gleichen das Frieren wieder aus. Natürlich gehen wir auch gemeinsam mit unseren Austauschpartnern in die Schule – nicht nur in den normalen Unterricht, sondern wir lernen auch spielerisch die Sprachen der anderen.

Aber unser Highlight ist der Besuch beim Weihnachtsmann mit Original-Foto - und anschließender Überquerung des Polarkreises. Dann mit dem Huskyhundeschlitten durch den verschneiten Wald gleiten, während die Sonne durch die Tannen scheint: ein unvergleichliches Erlebnis.

Leider fliegen wir bereits nach einer Woche wieder zurück nach Deutschland. Wir werden das Land und die Leute in Oulu sehr vermissen. Aber die nächsten Besuche sind schon geplant: Im Oktober 2018 kommen unsere neuen finnischen und französischen Freunde zu Besuch an das AFG. Im Jahr 2019 fliegt nochmal eine zweite Erdinger (und eine französische) Schülergruppe) nach Finnland – und im Jahr darauf werden wir uns alle in Südfrankreich treffen ...wir freuen uns schon sehr darauf!

Übrigens gibt es zum Glück in Finnland gegen die Kälte eine Unmenge Saunas...

Philippa Haggenmüller und Mia Grotenhuis