Ein Sommernachtstraum (2018)

Warum nicht wieder einmal Shakespeare?

Spielzeit 2009 „Viel Lärm um Nichts“, Spielzeit 2013 „Hamlet“, Spielzeit 2016 „Ein Sommernachtstraum“ …. Alle von mir inszeniert. Nun rückt der Ruhestand näher, langsam wird die Zeit knapp, wenn ich noch all die Shakespearestücke, die mir als Anglistin am Herzen liegen, auf die Bühne des Anne-Frank-Gymnasiums bringen möchte.

Da der „Sommernachtstraum“ so ein Riesenspaß war, fiel die Wahl auf die Komödie, die viele Shakespearegelehrte für seine reinste und heiterste halten, da die dunklen Elemente, wie wir sie von so vielen seiner anderen Komödien kennen, hier fehlen: Kein Bräutigam verstößt seine Braut, weil sie angeblich untreu war und hat so überhaupt kein Problem damit, dass sie der Gram dahinrafft. Kein Vater droht – ganz im Einklang mit den strengen Athener Gesetzen – seiner Tochter mit dem Tod, weil sie den von ihm für sie ausgesuchten Bräutigam verschmäht.

Wir sind in Illyrien (die Gegend um das heutige Triest), wo alles ein wenig entspannter ist. „Illyrien? Hallo?! Und was mach' ich hier?“, fragt die an diesem unbekannten Gestade gestrandete Viola. Nun, was man in einer Shakespearekömödie halt so macht. Frau verkleidet sich erst einmal als Mann (War zu Shakespeares Zeiten natürlich doppelt so lustig, da ein als Mädchen kostümierter junger Mann sich als junger Mann (!) verkleidete), verliebt sich hoffnungslos in den schönen Herzog Orsino, der wiederum hoffnungslos in die schöne, sich aber in tiefer Trauer um Vater und Bruder verlierende Gräfin Olivia verliebt ist, die sich wiederum auf den ersten Blick in den Liebesboten (besagte Viola, die sich nun Cesario nennt) verliebt. Wie man sieht, sind die Schlüsselworte „wiederum“ und „sich verliebt“. Ein Glück, dass Shakespeare noch den Zwillingsbruder Sebastian für uns parat hat, der zwar Antonios Herz bricht, aber durch sein unerwartetes Auftauchen in Illyrien letztendlich dann dafür sorgt, dass die Liebesgleichung aufgeht.

Was nun die anderen Charaktere, die über die Bühne holtern und poltern, betrifft, so gehören sie zu den lustigsten Gesellen (Falstaff vielleicht ausgenommen), die der Feder des großen Barden entsprungen sind. Und da ich bei der Besetzung dieser Rollen ein glückliches Händchen hatte, konnten wir uns über die von Maria angestifteten und von Sir Toby Belch, dem verschmitzten Trunkenbold, und seinem Alter Ego, Sir Andrew Aguecheek, dem tölpelhaften Ritter, ausgeführten Streiche köstlich amüsieren. Ihr Opfer ist Malvolio, der kreuzweis Gelbbestrumpfte, eine wahrhaft tragikomische Figur, bei der man sich nie ganz sicher ist, ob man sie hassen, verachten oder bemitleiden soll.

Das Konzept für Bühne und Kostüme war das Gleiche, das sich schon im Elisabethanischen Zeitalter bewährt hat. Die Bühne ist möglichst leer, damit die Umbauten ratzfatz über die Bühne gehen bzw. am besten gar nicht nötig sind. Ein Gedanke war hier auch, dass es eine Schande wäre, das wunderschöne Bühnenbild durch Mobiliar zu verstellen. Mein besonderer Dank geht hier an Michelle Novotny und ihr Team! Die Kostüme sind natürlich zeitgenössisch und besonders schön anzusehen. An dieser Stelle möchte ich mich bei lieben Kolleginnen bedanken, die dem Theaterfundus wunderbare Kleider gespendet haben.

Live Musik ist, wie sich wieder einmal herausstellte, unverzichtbar. Die Jazz Combo, die unser Stück bereichert hat, war vom Feinsten! Eine wunderbare Auswahl von tollen Stücken, die die Stimmung der jeweiligen Szenen punktgenau trafen und mit einer Präzision gespielt wurden, die mich als Musiklaien erstaunten und als „erfahrene Theaterregisseurin“ (Ich bedanke mich bei Frau Vogel für dieses nette Kompliment!) höchst entzückten. Es gibt nur ein Wort dafür: genial bzw. kongenial.

Zuletzt ein Dank an alle 43 Mitglieder des Oberstufentheaters, die auf und hinter der Bühne diese vier Theaterabende wieder einmal zu einem unvergesslichen Erlebnis machten. „Unvergesslich“ – eine Übertreibung? Mitnichten. Ich zitiere einen Zuschauer, der am Dienstagabend zu mir sagte: „Schade, dass ich nur zwei Aufführungen geschafft habe, ich hätte das Stück gerne öfter gesehen!“

Margit Pfeiffer-Schneider

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