Lernen in der freien Natur

Im Rahmen des diesjährigen P-Seminares Biologie nutzten 12 Schülerinnen und Schüler der Q12 die Nähe zum Stadtpark, um für sowohl eine zehnte als auch für eine sechste Klasse zwei Schulstunden auf eine besondere Weise zu gestalten.

Lernen in der Schule – das ist Normalität für Schüler. Oftmals ist der Unterricht allerdings sehr abstrakt und sie nehmen wenig aus dem Unterricht mit. Mit Spaß lernen ist wohl ein Ideal, von dem sowohl Schüler, als auch Eltern und Lehrer träumen. Auch das P-Seminar Biologie machte sich darüber Gedanken und organisierte einen Rundlauf mit Stationen auf der Mayr-Wirt-Insel im nahegelegenen Stadtpark.

Der erste Teil des Projektes fand am 27. Juli 2015 statt. In Anlehnung an den Lehrplan der 10. Klasse baute die damalige Q11 verschiedene Stationen auf, die den Schülern den Lernstoff anschaulich und nachhaltig vermitteln sollten. Die Zehntklässler wurden hierfür in Gruppen von 5-6 Leuten aufgeteilt und durchliefen dann alle Stationen, die im Folgenden näher erklärt werden.

Station Bodentiere

Berührungsängste mit den kleinen Krabbeltieren durften die Schüler hier nicht haben. Die Leiter der Station hatten bereits zuvor eine geeignete Stelle ausgewählt. Die Mädchen und Jungen stachen mithilfe einer Schaufel die Erde auf und siebten sie anschließend auf ein weißes Tuch. Dann wurden mithilfe von Lupen und Bechergläsern Tiere ausfindig gemacht und im Anschluss mithilfe von Kärtchen bestimmt. Für viele Schüler war die Artenvielfalt, die man im Boden des Stadtparks vorfinden kann, eine große Überraschung und sehr interessant, da sie über die gute Qualität Aufschluss gibt.

Station Chemische Bodenanalyse

An dieser Station wurde der Boden mithilfe von Experimenten untersucht. Dazu mussten die Schüler ein Reagenzglas mit einer Bodenprobe aus dem Stadtpark befüllen und diese mit destilliertem Wasser versetzen. Danach musste die Bodenprobe geschüttelt werden, sodass sich die Erde im Wasser auflöste. Diese Lösung wurde dann in einen mit einem Filter ausgestatteten Trichter gegossen. Mithilfe von Uniteststreifen, die ins Filtrat gehalten wurden, konnte nun der pH-Wert abgelesen werden. Zudem erhielten die Schüler von den Elftklässlern Informationen über die Bedeutung des Nitratwertes des Bodens, bevor sie mithilfe von 10%iger Salzsäure, die auf eine Bodenprobe gegossen wurde, erkennen konnten, dass der Boden hohen Kalkgehalt aufweist. Dies kann man an den entstehenden lang anhaltenden Bläschen erkennen.

Station Bodentemperatur und -beschaffenheit

Für diese Station mussten die kleinen Grüppchen die Insel kurz verlassen. In den Boden wurde mithilfe eines… von der obersten Schicht bis zur untersten möglichen gestochen und diese Probe wurde dann begutachtet und untersucht. Es wurde die Temperatur gemessen und…

Station Gewässertiere

Wie gut ist eigentlich das Wasser im Stadtpark? Dieser Frage wurde an den folgenden drei Stationen nachgegangen. An der Station Gewässertiere wurde die Gewässergüte anhand der darin lebenden Tiere beurteilt. Dazu wurden zunächst Algen und Wasserpflanzen aus dem Wasser entnommen und anschließend unter dem Mikroskop nach Kleinstlebewesen gesucht. Aber es wurden nicht nur kleine Tiere gefunden- auch Schnecken und sogar ein kleiner Fisch konnten gefangen und begutachtet werden. Dass so viele Tiere in der Sempt ihr Zuhause haben, deutet auf eine gute Wasserqualität hin. Die Station machte den Schülern sehr großen Spaß.

Station Chemische Gewässeranalyse

Gibt es schädliche Stoffe in der Sempt? Die Antwort auf diese Frage liefert die Chemische Gewässeranalyse. Zunächst werden Wasserproben in kleine Bechergläser gefüllt. Anschließend wird eine bestimmte Anzahl von Tropfen verschiedener Flüssigkeiten hinzugefügt. Anhand der Verfärbung kann man den pH- Wert, den Kalkgehalt, den Ammoniumgehalt und viele weitere Werte genau bestimmen. Und tatsächlich: das Wasser der Sempt liegt bei allen chemischen Messungen im Normbereich, was ebenfalls für eine gute Wasserqualität spricht.

Station Pflanzen

Hier waren scharfe Augen gefragt. Die Schüler erhielten kleine Kärtchen mit einer Beschreibung von bestimmten Pflanzen, die sie meist nicht kannten, wie zum Beispiel der Besenginster oder der Wiesen-Bärenklau. Alle diese Pflanzen befanden sich irgendwo auf der Obstwiese. In ihren Grüppchen zogen die Jungen und Mädchen dann los und versuchten, das Gesuchte zu finden. Verwechslungen gab es natürlich oft – die Schüler brauchten oft mehrere Versuche, hatten aber großen Spaß an dieser „Schnitzeljagd“.

Tipps für die Stationen und tatkräftige Unterstützung bei der Durchführung erhielt das P-Seminar von der leitenden Lehrkraft Frau Scherer.

Der zweite Teil des Projekts, diesmal für eine sechste Klasse, fand am 13. Oktober 2015 statt. Selbstverständlich änderten sich die Stationen; sie wurden von ihrem Inhalt auf die Lehrplaninhalte der sechsten Jahrgangsstufe angepasst.

Station Fische

Warum können Fische unter Wasser atmen? Und wie können sie regulieren, auf welcher Höhe sie schwimmen? Einige dieser Fragen wurden im Unterricht bereits kurz angesprochen. Aber die Atmung an einem lebenden Fisch beobachten zu können ist viel interessanter und einprägsamer. Zunächst einmal jedoch folgte ein kurzer theoretischer Teil, bei dem die Schüler mithilfe eines Modells die Bestandteile des Fisches beschrifteten. Anschließend beobachteten sie ein Rotauge und einen Barsch, die Herr Hopfner eigens für das P-Seminar organisiert hatte, bei der Atmung. Diese wurde ihnen dann anhand zweier selbstgebastelter Modelle anschaulich erklärt. Zudem erhielten sie nähere Informationen über die Funktionsweise der Schwimmblase und das Seitenlinienorgan, welches bei beiden Fischen sehr gut sichtbar war.

Station Gewässertiere

Gewässertiere sind auch Teil des Lehrplans der sechsten Klasse, der Ablauf blieb ebenfalls derselbe.

Station Vögel

Um den Schülern die einheimischen Vögel etwas näher zu bringen, wurden als erstes Steckbriefe von neun Vögeln an Bäumen im Stadtpark aufgehängt. Diese Bäume lagen in einem Kreis nah beieinander, damit sich die Schüler verteilen konnten, aber nicht zu weit voneinander entfernten. Von diesen Steckbriefen sollten sie sich zu jedem Vogel die drei ihrer Meinung nach wichtigsten Merkmale auf das ausgeteilte Handout schreiben. Zum Ansporn hatten sie dazu nur 7 Minuten Zeit. Mit diesen Notizen als Hilfe spielten sie dann eine abgewandelte Form des Spieles „Wer bin ich?“. Dazu wurden die neun Steckbriefe verdeckt auf den Tisch gelegt. Dann wurden zwei Gruppen gebildet. Jede dieser Gruppen nahm sich verdeckt einen Steckbrief, sodass die andere Gruppe nicht sehen konnte, welcher es war. Nun mussten die Gruppen erraten, welchen Vogel die anderen gezogen haben. Dazu dürfen nur Fragen gestellt werden, die mit ja oder nein beantwortet werden können. Diese wurden dann abwechselnd gestellt bis eine Gruppe den Vogel erraten hatte. Bei dieser Station lernten die Schüler vor allem die einzelnen markanten Merkmale der Vögel und wie sie diese am schnellsten unterscheiden können.

Station Bäume

In einer Art Schnitzeljagd erhielten die Schüler umfassende Informationen über die heimischen Bäume. Hierzu wurden sie mit Steckbriefen von Baum-und Buscharten in ein abgegrenztes Gebiet geschickt. Mithilfe der Informationen über Früchte, Rinde und Blätter machten sie sich auf die Suche. Zu jeder Beschreibung gab es eine spezifische Frage. Die Antwort auf diese fand man bei genauerem Suchen versteckt in einer Überraschungsei- Hülle. So erfuhren die Sechstklässler z.B., dass die Beeren der Roten Heckenkirsche giftig sind, Vögel sie aber dennoch verzehren können. Waren alle Antworten gefunden, so konnte man mit etwas Geschick das Lösungswort „Baumschule“ zusammensetzen.

Station Bodentiere

Auch diese Station konnte beibehalten werden, auch wenn im Oktober natürlich andere Erdbewohner gefunden wurden als im Juli mit der 10. Klasse.

Doch nicht nur die Schüler der 10. und 6. Klasse hatten Spaß und konnten viel lernen, auch die Schüler der jetzigen Q12 sammelten wertvolle Erfahrungen über den Umgang mit Jüngeren und allgemein das Projektmanagement.