Schüler/innen der Unter- und Mittelstufe probten Mordversuche!
Es war einmal kein Mord. Nein, es waren Mordversuche, die das Unter- und Mittelstufentheater dieses Jahr ausheckte. Aber keine Angst, diese Mordversuche sollten nicht an Lehrern, Schülern oder gar dem hoch geschätzten Publikum stattfinden. Und selbst angesichts der neuen Beschlüsse der Bayerischen Staatsregierung, die Stundenzahlen am G 8 zu reduzieren (und damit die häusliche Belastung der Schüler/innen zwangsläufig zu erhöhen), kann sich die Spielleiterin noch im Zaum halten und wird die ihr anvertrauten Theaterfanatiker nicht dazu missbrauchen, geheimen Wunschträumen reale Gewalttaten folgen zu lassen. Und das, obgleich für die Textsorte, derer sich die Schauspielgruppe bediente, um die Personen für das diesjährige Stück zu entwickeln, kennzeichnend ist, dass Traumwelten, Zauberei und Realität miteinander verschmelzen. Es geht um Märchen, wie die altbekannte Anfangsformel im Titel des Stückes schon vermuten lässt.
Angesichts der doch erheblichen kriminellen Energie einiger Märchenfiguren, widmete sich ein starkes Autorenteam der kreativen Aufgabe, einen Märchenkrimi zu schreiben, während das Team um Frau Klinger Bühnenbild und Kostüme entwickelte. Nach den ersten Wochen, die wir wie immer mit Grundlagenarbeit verbrachten, begannen wir während der Proben die Charaktere zu entwickeln. Die ersten Versuche vor Publikum fielen bereits in diese Zeit: am Weihnachtsbasar waren wir dieses Jahr mit verschiedenen kleinen acts vertreten, u. a. mit einem Theaterautomaten, einer Kiste, aus der nach Einwurf eines Spendenbeitrags jeweils zwei Schauspielerinnen herauskamen und eine Szene improvisierten.
Auch an der Kriminacht beteiligte sich die Gruppe im April sehr erfolgreich. Aus der Arbeit an der Entwicklung der Charaktere des Stückes entstand ein „Kriminacht- Teaser“, der kurz war, aber „fetzte“. Die große schauspielerische Leistung der Darsteller und die inspirierte Inszenierung der Spielleitung erfuhr spontane Anerkennung aus berufenem Munde: Begeistert stand der anwesende Autor und Schauspieler Christoph Wortberg auf, um der Gruppe überschwängliches, ehrliches Lob zu zollen.
Derart gestärkt, traten wir in die letzten Phasen der Vorbereitungen für unseren großen Coup am Ende des Schuljahres ein. Zu hoffen bleibt, dass im Juli unsere verwunschenen Frösche, gemeinen Hexen, Erste-Hilfe-Feen und Standuhren, die nicht ganz richtig ticken, das zerrissene Rumpelstilzchen, die gestiefelte Katze, Frau Holle mit den Wurzelkindern und Goldmarie im Dienste des Klimaschutzes, Hänsel als 007, das Aschenputtel mit dem Putztick und der fiesen Stiefmutter, der tapfere, aber sehr von sich eingenommene Schneider, das exaltierte Schneewittchen, und das schon zu lange mit dem Märchenprinzen verheiratete Dornröschen bei unserem Publikum so gut ankommen, wie letztes Jahr Léonce und Lena.
Ingrid Kleine-Bradley