eine Inszenierung der Unterstufentheatergruppe, in Zusammenarbeit mit dem Unterstufenchor, der –tanzgruppe und der Percussiongruppe
Mit Paris verzweifeltem und gleichzeitig ungläubigen Schrei “Nein!” endet unsere Umarbeitung des Stückes “Das Urteil des Paris” nach F.Klingelhöfer. Seine Verzweiflung und Entsetzen gelten dem offensichtlichen, zumindest momentanen Sieg des Kriegsgottes Ares, sein Unglaube Ares Losung: “Krieg! Krieg! Nur hier liegt die Lösung!”
Als im März 2003 der Irak-Krieg ausbrach und wir in unseren Proben mit Schaudern unseren Ares über “Leichen auf beiden Seiten” frohlocken hörten und unseren Apollon die Pest über die Menschen bringen sahen, dachten wir zunächst daran, das Stück sofort abzusetzen. Konnten wir, konnten Kinder so etwas auf die Bühne bringen in so einer Zeit? Zwang ich als Regisseurin und Leiterin der Gruppe den Kindern etwas auf, was abscheulich war und wodurch ich sie instrumentalisieren würde? Die Kinder selbst belehrten mich eines Besseren. Während es mein Grundkurs längst müde war, über den Irak und politische und religiöse Hintergründe des Krieges zu diskutieren, begrüßte mich meine sechste Klasse mit Anti-Kriegs-Parolen und meine siebte Klasse fragte mir “Löcher in den Bauch” über die Situation im Irak vor dem Krieg und die Gründe für den Krieg. Auch innerhalb der Schauspielgruppe gab es lebhafte Diskussionen. Die spontane, ehrliche Entrüstung machte schnell einem vitalen Interesse Platz. Warum gibt es Krieg überhaupt, wenn dann doch so viele Leute leiden müssen? Gab es eine Alternative? Und immer wieder die Frage, ob ich den Krieg “gerecht” fand. – Nein, gerecht kann Krieg nicht sein. Kann Krieg notwendig sein? .... Und ich hatte mich gefragt, ob unser Stück zu politisch für ein Kindertheater sei! Es wäre falsch gewesen, den Kindern die Möglichkeit der Auseinandersetzung mit diesem Thema zu nehmen, auch wenn es uns allen in manchen Szenen eiskalt den Rücken herunterlief.
Vor allem angesichts der grausamen Realität erschien uns das (zum Schluss etwas seichte) Original jedoch nicht spielbar. Wir entschieden uns für eine teilweise groteske Umarbeitung des Stückes, die aber durchaus sehr ernst endet, was uns zeitgemäß erschien. Paris wird bei uns zu einem tragischen Helden, der sich selbst und seine Verliebtheit zu wichtig nimmt und dadurch ohne sich seiner Verantwortung bewusst zu sein Entscheidungen trifft, deren Ausmaß er völlig unterschätzt. Als ihm sein Fehler bewusst wird, ist es zu spät, den Stein, den er ins Rollen gebracht hat, aufzuhalten.
Vollständig zur Geltung kam unsere Deutung der Geschichte aber erst durch die Beiträge des Chors, der Tanzgruppe und der Percussiongruppe. Die Zusammenarbeit war äußerst fruchtbar. Und während der Probenfahrt nach Agatharied vom 23.-25.Juni konnten die Gruppen gut zusammenwachsen, um ein Stück aus einem Guss präsentieren zu können.
Als Greenhorn in Erding war ich natürlich besonders auf Unterstützung angewiesen und ich schätze mich glücklich, dass ich diese in so vielfältiger Weise erfahren durfte. Ohne das eingespielte Team von AssisstentInnen aus der Kollegstufe, die sich als absolut unentbehrlich erwiesen haben, ohne Frau Pfeiffers Unterstützung und ihre Techniker, ohne Frau Klingers Sachverstand und Tatkraft, ohne die Unterstützung (und Verpflegung!) durch Schülereltern und ohne den Vertrauensvorschuss der Schulleitung und die Untersützung durch die Hausmeister und Sekretärinnen hätte ich dieses Unternehmen nicht wagen können.
Danke!
Ingrid Kleine-Bradley