in dieser spielzeit haben wir uns der pflege der bairischen mundart
angenommen.
der erste teil ist einem ernsten thema gewidmet. in felix
mitterers stück
kein platz für idioten
geht es um ausgrenzung und intoleranz, sowie die frage, was uns
wichtig ist: mit-menschlichkeit oder der profit.
nach der pause darf gelacht werden.
valentinaden mit begleiterscheinungen.
wir präsentieren unsere bearbeitungen verschiedener szenen von
fitzgerald kusz und einakter von karl valentin
JERRYS GEDANKEN ZUR SPIELZEIT 2010
stückauswahl. frau pfeiffer-schneider will was „boarisches“
und wir machen lange gesichter, die ersten steigen aus – heute karl valentin, ich glaube, der typ hatte humor – wir
machen ein probelesen „kein platz für idioten“, alle haben gänsehaut – wir diskutieren:
was hat wastl genau, was sind das für menschen um ihn herum – erste proben und i ko koa boarisch
net! i muaß oimal a native speaker frag'n „du hansi, wie sagt man 'todesanzeige' auf boarisch?“ – sitze mit einer maske unter frau pfeiffer-schneiders bürotisch, es ist stickig, ich werde am arm unterm tisch hervorgezogen, hingeschmissen und getreten – workshop im filmsaal. how to speak boarisch. schwein'sbrat'n, pfiad di, ja mei, servus, oachkatzlschwoaf – wochenendprobe, es hämmert an die tür, man hämmert auf den tisch, man fragt nach dem hammer, man ist behämmert – heute mitterer, bedrückte stimmung, jemand schält kartoffeln, gewalt, eine
wirtschaft, gemeinheiten, jemand spielt flöte, doch wer sitzt auf dem regiestuhl und weint? ‒ was hat valentin einmal gesagt? kunst ist schön, macht aber viel arbeit. ja, da ist was dran – die probenarbeit läuft auf hochtouren, man arbeitet mit geistigem und körperlichen einsatz und vergleicht schürfwunden – nicht nur auf der bühne ist man produktiv, türrahmen werden gebaut, teppiche
verlegt, bilder gemalt und kostüme ausgesucht – wall.e zeigt bei der letzten wochenendprobe,
was er kann – feinschliff in textsicherheit und aussprache – es heißt nicht neamand, sonder
koaner – eine dicke frau kommt mit einer babyborn auf die bühne, will sich ausziehen, man liegt am
boden vor lachen – plakate werden aufgehängt – es ist die heißeste zeit der heißen phase,
alle schwitzen – das wort perfektionismus bekommt eine neue bedeutung – heute mitterer mit musik
'in the arms of an angel', wer wird da schon weinen – 19. märz 2010 tag der premiere:
aufregung, aufmunterung, aufforderung die handys auszuschalten. es wird leise im saal -
zwei stunden voller einsatz. das publikum geht mit. taschentücher werden
gezückt. es wird gelacht, geschmunzelt, dann applaudiert – wir haben
unterhalten, wir haben berührt. was will man mehr? euphorie. gewissheit. es
gibt keinen schöneren moment im schuljahr – auf der bayerischen premierenfeier
geht es feuchtfröhlich zu. nicht nur wegen des renitenten bierfasses und der
abschiedstränen – noch drei aufführungen. schrauben verfehlen das dekolletee,
die tür fällt aus den angeln, die maske reißt. trotzdem jedes mal wieder ein
erfolg – und dann war’s das schon wieder für dieses jahr. abschiedsessen beim
italiener, am nächsten morgen aufräumen, endlich schlafen – jetzt wartet noch
die kriminacht auf uns. frau pfeiffer-schneider will, dass das
oberstufentheater kriminell twittert. was ist das schon wieder für eine
schnapsidee?
géraldine chalaud
BESETZUNG
felix mitterer - kein platz für idioten
plattl-hans...........................................................................................................................................................samuel jeske
sebastian möllinger........................................................................................................................................géraldine chalaud
möllinger-bäurin...................................................................................................................................................anna kerfers
lois, ein dorfbewohner......................................................................................................................................jakob neumüller
adi, ein dorfbewohner.......................................................................................................................................thomas balbach
schorsch, der dorfpolizist..............................................................................................................................hans florian maier
dieter, ein tourist.................................................................................................................................................markus hönig
elfriede, seine frau................................................................................................................................................claudia cako
"stangassingerin", wirtin & bürgermeisterin................................................................................................................meike stein
traudl, die kellnerin..........................................................................................................................................fabiana gebhart
musik........................................................................julia herrmann (gesang), alexander koch (bass), martin mayer (schlagzeug)
technik......................................................julian färber, johannes hochholzer, lucas jacobson, moritz weinszeihr, daniel zahnweh
technische beratung..............................................................................................................................................achim demel
plakat.................................................................................................................................................................nathalie claus
bühnenbau & inspizienz....................................................................................................................markus lill, andreas renner
inspizienz...................................................................claudia cako, fabian frodl, miriam hettwer, verena mayer, janine rubinstein
zum stück
bei der premiere des stückes in der innsbrucker "volksbühne blaas" im "wienerwald-breinößl" im jahre 1976 spielte der autor felix mitterer selbst die rolle des sebastian. in der zeitschrift "theater heute" schildert er seine eindrücke von den aufführungen:
"jeden tag saßen etwa 50 leute im theater, die überhaupt nicht wussten, was gespielt wurde. ein teil des publikums pflegt nämlich nur einfach einmal im monat das theater aufzusuchen, in der absicht, ein hendl zu essen, ein bier zu trinken und sich einen vergnügten abend zu machen. diese leute waren es, die dann fast den ganzen ersten akt durchlachten, und anfangs spielte ich deswegen sehr schnell, weil ich mir vorkam wie ein echter behinderter, der verspottet wird. aber gerade die, die zu beginn am meisten gelacht hatten, saßen am ende des stücks total erschlagen an ihren tischen und bestellten noch schnell ein maß bier oder verschwanden schleunigst. wenn die handlung sich kritischen höhepunkten näherte, dann klickten unten im saal hundert feuerzeugflammen auf, und eine zigarettenrauchwolke zog auf die bühne...
es kam natürlich auch manchmal vor, dass leute, die sich einen schwank erwartet hatten, sehr verärgter waren und die vorstellung störten. einmal sagte einer: 'i geh doch nit ins theater, damit i drei tag lang nachdenken muss!', worauf die anderen sehr lachten ..."
fitzgerald kusz - im stehcafé
- thomas balbach - nils dresemann - julia herrmann - johanna kamm - marie-louise leeopold - markus hönig -
- dániel somogyi - christine michalek - meike stein - ida dresemann - samuel jeske - fabiana gebhart -
- hans florian maier - anna kerfers - daniel valdivia schoss - laura faiß - veronika wolf -
- michelle schraudy - jakob neumüller - géraldine chalaud - kora-lee claude -
karl valentin fährt achterbahn
»im büro der intendanz«
die frau intendantin........................................................................................................................................christine michalek
das fräulein emmi..........................................................................................................................................michelle schraudy
das fräulein irmgard................................................................................................................................................meike stein
das fräulein karlstadt........................................................................................................................................fabiana gebhart
»ehescheidung vor gericht«
richter..............................................................................................................................................................nils dresemann
1. gerichtsdiener..................................................................................................................................................markus hönig
2. gerichtsdiener..................................................................................................................................................samuel jeske
stenographin.............................................................................................................................................................laura faiß
angeklagter zellner ..................................................................................................................................daniel valdivia schoss
ehefrau mizzi zellner.....................................................................................................................................michelle schraudy
sohn karl zellner...................................................................................................................................................anna kerfers
zeuge salamýi....................................................................................................................................................dániel somogyi
frau rosa hinterseer.....................................................................................................................................marie-luise leopold
die damen schnell.....................................................................................................................julia herrmann & johanna kamm
»der kaputte scheinwerfer«
die regisseurin...............................................................................................................................................géraldine chalaud
der meister...............................................................................................................................................johannes hochholzer
der lehrbub..................................................................................................................................................hans florian maier
der beleuchter..................................................................................................................................................daniel zahnweh
meister...........................................................................................................................................................jakob neumüller
heini, erster geselle..........................................................................................................................................kora-lee claude
fonse, zweiter geselle.....................................................................................................................................christine michalek
frau.................................................................................................................................................................thomas balbach
scharfrichter.............................................................................................................................................daniel valdivia schoss
bräutigam............................................................................................................................................................veronika wolf
braut................................................................................................................................................................ida dresemann
gesamtleitung................................................................................................................margit pfeiffer-schneider
PRESSESTIMMEN
Slapstick und Sozialkritik
Foto: Vroni Vogel
Erdinger Anzeiger vom 22. März 2010
von Vroni Vogel
Erding - In ein Wechselbad der Gefühle werfen die Schauspieler der Theatergruppe des Anne-Frank-Gymnasiums die Zuschauer in ihrer aktuellen Produktion. Am Freitag war die Premiere in der Schulaula.
Lachen und Weinen lagen in der Inszenierung des Oberstufentheaters im Anne-Frank-Gymnasium nah beieinander. Die Jugendlichen setzten mit ihrer Regisseurin Margit Pfeiffer-Schneider ein kontrastreiches Programm in Szene, das am Freitagabend in der voll besetzten Aula eine umjubelte Premiere feierte.
Das
sozialkritische Mundartstück „Kein Platz für Idioten" des
österreichischen Autors Felix Mitterer traf mit seiner unsentimentalen
und dichten Darstellung mitten ins Herz. Man blickte in die Abgründe
einer Dorfgemeinschaft, die sich eines Außenseiters entledigt.
Atemberaubend war Géraldine Chalauds schauspielerische Leistung. Sie
schlüpfte in die Rolle des traumatisierten Buben und spielte ihn so
authentisch, dass man am Ende des Stücks den Tränen nahe war. Die
Akteurin gab ihre Figur niemals der Lächerlichkeit preis. Mit
umsichtiger Klugheit verwendete sie Gestik, Mimik und Sprache.
Man
erlebte aber auch eine mitreißende Ensembleleistung. Diese setzte sich
nach der Pause fort. Hatte der erste Teil nachdenklich gestimmt und die
Gefühle aufgewühlt, so wurde man jetzt von hemmungslosen Lachanfällen
geschüttelt. Fitzgerald Kusz fing „Im Stehcafé" allzu menschliches
Gelaber auf. Die geschickte Montage des leeren Alltagsgeplappers, die
von den Jugendlichen mit überschäumendem Spielwitz umgesetzt wurde,
barg aberwitzige Komik.
Mit „Karl Valentin fährt Achterbahn"
waren die nächsten vier Einakter überschrieben - und das hatte seinen
Grund. Fernab von bairischer Behäbigkeit preschte das Darstellerteam in
halsbrecherischem Tempo durch die Stücke und gestaltete sie als
abgedrehte Slapsticknummern. Da kam man mit dem Lachen kaum noch den
Pointen hinterher.
"Im Böro der Intendanz" gings zu wie in einem Taubenschlag, in "Ehescheidung vor Gericht" herrschte anarchistisches Chaos, und in "Der kaputte Scheinwerfer" bekam man's mit der Tücke des Objekts zu tun. "Im Photoatelier" lernte man waschechte Lausbuben kennen, die mit charmanter Frechheit ihrem Meister samt Kunden das Fürchten lehrten und Hierarchien unbekümmert auf den Kopf stellten.
Musikalische Elemente gehörten zum Gesamtkonzept. Hinter den Kulissen war die Crew für die Technik, den Bühnenbau und die Inspizienz aufmerksam in Aktion. Der Arbeitskreis Feste versorgte die vielen Theaterbesucher in der Pause.
wastl (geraldine chalaud) mit der bedienung traudl (fabiana gebhard)
plakat zur produktion "KARL VALENTIN FÄHRT ACHTERBAHN" © nathalie claus
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