Faust (OST 2011)

Nachdem Faust als Liebhaber (Gretchen!) und Ehemann (Helena!) versagt, stürzt er sich in seine Karriere als Finanzmanager und Börsenspekulant, tatkräftig unterstützt von seinem Mentor cum PA Mephistopheles. Am Ende allerdings scheitern beide: an sich selbst und an den himmlischen Gegenspielern.

„The F-Projekt: geschüttelt, nicht gerührt“. Denn kräftig durchgeschüttelt haben wir der Tragödie zweiten Teil, den wir durch Kürzen und Umstellen in eine spielbare Form zu bringen versuchten. Dabei gingen wir von der Grundidee aus, Faustens Leben und Karriere nach Gretchens Tod bis zu seinem eigenen Ende nachzuzeichnen.

Heinrich, mir grauts vor dir!
Plakat des Oberstufentheaters 2011
Plakat zur Produktion "Faust." 2011 © nathalie claus

Besetzung

Mephistopheles Géraldine Chalaud, Anna Kerfers, Christine Michalek
Faust Nils Dresemann, Samuel Jeske
Gretchen Kora-Lee Claude
Frau Marthe Julia Herrmann
Wagner Daniel Somogyi
Student Hans-Florian Maier
Hexe Veronika Wolf
Valentin Markus Hönig
Dichter Johanna Kamm
Lustige Person Michelle Schraudy
Direktor Veronika Wolf
Engel Anna Gebhard, Daniela Tatto, Janet To
Der Herr Johannes Hochholzer
Zecher Markus Hönig, Samuel Jeske, Johanna Kamm, Daniel Somogyi
Mädchen Anna Gebhard, Lisa Hartmann, Janet To
Helena & Paris Michelle Schraudy & Fabian Frodl
Chor Julia Herrmann
Euphorion Markus Hönig
Homunkulus Kora-Lee Claude
Kaiser Nils Dresemann
Hofdamen Anna Gebhard & Janet To
Minister Lisa Hartmann & Johanna Kamm
Wanderer Nathalie Claus
Philemon & Baucis Veronika Wolf & Daniela Tatto
Türmer Alexandra Emmendorfer
Mangel, Not & Schuld                Anna Gebhard, Daniela Tatto, Janet To
Sorge Lisa Hartmann
   
Musik Heinrich-Otto Czeranski, Philipp Holl, Alexander Koch, Martin Mayer
Technik David Finken, Johannes Hochholzer, Lucas Jacobson, Max Jockel, Niklas Wolf, 
  Korbinian Kreutzarek, Florian Reiter, Marc Rogalski, Jakob Sonner, Daniel Zahnweh
Inspizienz Derya Azman, Alexandra Emmendorfer, Fabian Frodl, Kristina Niedermeier, 
  Elisabeth Otto
Plakat Nathalie Claus
Leitung Margit Pfeiffer-Schneider

PRESSESTIMMEN

Der Teufel trägt Pumps

Pressestimme EA_31-01-11
Foto: Vroni Vogel

Erdinger Anzeiger vom 31. Januar 2011

von Vroni Vogel

Erding - Heuer hat sich das Oberstufentheater des Anne-Frank-Gymnasiums an Goethes Klassiker Faust gewagt - mit großem Erfolg.

In der gekürzten Inszenierung von Goethes Faust I und Faust II des Oberstufentheaters am Anne-Frank-Gymnasium ist Mephisto ein taffes Mädchen, und das in dreifacher Erscheinung: Géraldine Chalaud, Anna Kerfers und Christine Michalek treten im synchronen und dabei eigenwillig schillernden Spiel als diabolisches Trio auf. So potenziert sich die Kraft, die „stets das Böse will und stets das Gute schafft“.

Der Teufel trägt also Pumps. Dabei legen die diabolischen Grazien mit scharfsinniger Verführungskunst und Kenntnis um die menschlichen Abgründe den Finger genau in Fausts (Nils Dresemann) Wunde. Der steckt in einer Midlife Crisis. Kein Wunder, dass er sich den Damen nur allzu gerne überlässt, flugs ein Zaubertränkchen der Hexe (Veronika Wolf) schluckt und zum coolen Jüngling (Samuel Jeske) mutiert. Lässig mit Lederjacke und Jeans ausgestattet, hat er nichts anderes im Sinn, als das hinreißende Gretchen (Kora-Lee Claude) mit seinen Charmeattacken ins Unglück zu stürzen.

Die sinnenfreudige Frau Marthe (Julia Herrmann) gießt Öl ins Feuer, und der dreifache Mephisto hat lustvoll seine Finger im Spiel - schon nimmt die Tragödie ihren Lauf. Gretchens Leben gerät zum erbarmungswürdigen Spießrutenlauf in einer verlogenen Gesellschaft.

Im zweiten Teil wird Fausts Biografie fortgeschrieben. Der Gelehrte offenbart weitere ambivalente Seiten, ist kreativer Spielemacher, Geliebter der schönen Helena (Michelle Schraudy) und gewissenloser Macher. „Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan“, diese Erkenntnis steht am Ende des rastlos glühenden Männerlebens.

Was wäre Faust ohne Mephistos Handlangerdienste geworden? Ein missmutiger alter Mann oder ein lebenskluger Philosoph?

Die Theatergruppe verwandelt den klassischen Text in starke, mitreißende Szenen, getragen vom engagierten Spiel, von pointierten Regieeinfällen und der umsichtigen Leitung Margit Pfeiffer-Schneiders. Die Live-Band mit Philipp Holl (Klavier), Heinrich-Otto Czeranski (Gitarre), Alexander Koch (Bass) und Martin Mayer (Schlagzeug) verdichtet das Bühnengeschehen ebenso wie das Technik-Team, das Filmprojektionen auf die Bühnenwand zaubert. Die Kostüme spiegeln das Seelenleben der Figuren.

Vergnüglicher Zugang zur Klassik

Erdinger SZ vom 31. Januar 2011

von Antonia Steiger

Erding - Oberstufentheater des Anne-Frank-Gymnasiums begeistert mit einer flotten Inszenierung von Goethes Faust.

Risikofreude beweisen die Schüler des Oberstufentheaters am Anne-Frank-Gymnasium Erding. An vier Abenden führen sie Faust I und II von Johann Wolfgang von Goethe in gekürzter Fassung in der Schulaula auf. Und damit bringen sie viele Zuschauer vermutlich erstmals in Berührung mit diesen Werken der deutschen Klassik, deren Namen jeder kennt, die aber kaum einer im Theater gesehen, geschweige denn gelesen hat.

Dem Oberstufentheater ist eine unterhaltsame Aufführung gelungen, aus der nicht nur die beiden Faust-Darsteller Nils Dresemann und Samuel Jeske herausragen, sondern auch die drei Mephistopheles-Darstellerinnen Géraldine Chalaud, Anna Kerfers und Christine Michalek. Das Vergnügen, mit dem sie ihr Teufelswerk textsicher verrichten, überträgt sich auch auf die Zuschauer. "Faust kann extrem heiter sein", sagt die Theatergruppenleiterin Margit Pfeiffer-Schneider. Die Darbietung am Samstag belegt: Sie hat Recht.

Faust hat genug von seiner Gelehrsamkeit: "Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor." Nils Dresemann hat die schwierige Aufgabe, dem Publikum die Qualen des alternden Gelehrten in anspruchsvollen Textpassagen zu vermitteln; es gelingt ihm. Mit einem kauzigen Auftritt als Kaiser Franz Josef zeigt Dresemann in Faust II auch sein komödiantisches Talent. Drei junge Frauen eilen dem alternden Faust in seiner Not zu Hilfe: Géraldine Chalaud, Anne Kerfers und Christine Michalek teilen sich Rolle und Text des Mephisto, sie sind meist gleichzeitig auf der Bühne, gekleidet in roten, schwarzen und rotschwarzen Kostümen und unterhalten das Publikum aufs Beste. Manchmal lösen sie sich gegenseitig sogar mitten im Satz ab, daher müssen alle drei den Mephistopheles-Text fast komplett beherrschen. Ein Kniff, der dem Publikum Spaß macht und den Laien viel abverlangt.

Ein Pakt mit dem Teufel soll Faust von seiner Unzufriedenheit befreien, im Gegenzug verspricht er Mephisto seine Seele. Glaubhaft vollzieht sich die Verwandlung vor den Augen des Zuschauers: An Stelle von Nils Dresemann verlässt Samuel Jeske in Lederjacke die Hexenküche, um mit Mephistos Hilfe und von seinen teuflischen Ratschlägen geleitet sich Gretchen zu nähern. Weinerlich, unter der Mutter leidend und ohne Selbstbewusstsein: So tritt Kora-Lee Claude dem flotten Faust entgegen, der ihr mit allerhand Geschenken seine Zuneigung beweisen möchte. Frau Marthe aus dem Nachbarshaus in Gestalt der sehr lustigen Julia Herrmann - gierig, lüstern und kupplerisch - hilft dem Teufel gerne, erhofft sie sich doch auch ein kleines Abenteuer mit Mephisto. Doch das Unheil nimmt seinen Lauf, Gretchen gibt sich nach einigem Zögern dem Faust hin, und das traurige Ergebnis wird dem Publikum vorgeführt: Gretchens Bruder kommt nach Hause und trifft statt auf seine tugendhafte Schwester vermeintlich auf eine Hure. Er stirbt im Kampf mit Faust, dem der Teufel bei seiner Klingenführung hilft. Gretchen landet im Kerker in Erwartung der Hinrichtung, da sie ihr Neugeborenes getötet haben soll. Da gelingt es Faust - mit Mephistos Hilfe selbstverständlich - zu ihr vorzudringen, doch sie zweifelt an ihm und folgt ihm nicht in die Freiheit. Wie es Faust nach Gretchens Tod erging, das zeigt das Oberstufentheater nach der Pause in einer flott gekürzten und nicht minder unterhaltsamen Fassung von Faust II.

Mit viel Applaus belohnten die Zuschauer die starke Leistung des Ensembles. Zu ihm zählen auch die vier Musiker Heinrich-Otto Czeranski, Philipp Holl, Alexander Koch und Martiner Mayer, die schon zu Beginn mit "Highway to Hell" klarmachen, wohin Faustens Reise geht. Auch die zehnköpfige Technik-Crew leistet einen grandiosen Beitrag. Ihre farbenfrohe Ausleuchtung der Bühne ermöglicht der Theatergruppe den weitgehenden Verzicht auf aufwendige Bauten. Weiße Vorhänge, meist farbig beleuchtet und Projektionsfläche für einige Bilder, reichen in dieser Inszenierung völlig aus. An diesem Montag und am morgigen Dienstag beginnen jeweils um 19.30 Uhr noch zwei Aufführungen von Faust I und II im Anne-Frank-Gymnasium.

Wofür der Regisseur Peter Stein in Wien im Jahre 2000 etwa 15 Stunden geschafft hat, reichen den Gymnasiasten drei Stunden, inklusive Pause. Wer sich nicht vor der Berührung mit der Klassik scheut und wer wissen möchte, wen er eigentlich zitiert, wenn er mal wieder von des Pudels Kern spricht, dem sei ein Besuch angeraten. Der Eintritt ist frei.

Logo zur Spielzeit 2010/2011
© nathalie claus

Zurück