Die Frage dieser
Überschrift lässt sich heutzutage natürlich nicht mehr ganz genau beantworten.
Aber manche seiner
Zeitgenossen fanden einige seiner nicht so gelungenen Gedichte durchaus „schwülstig“,
wie Klaus Schiermann in seinem Programmteil, anlässlich des Schiller-Abends in
unserer Aula anmerkte.Diese kurze Episode zeigt,
dass in der Reihe „Persönlich genommen“, die berühmten Dichter der Deutschen
auch durchaus von Ihren unbekannteren Seiten gesehen und dabei manchmal fast
sogar vom Sockel gestoßen werden
Nach Heine, Brecht, Böll und Kafka nahmen die drei bekannten Erdinger Autoren Peter B. Heim, Klaus Schiermann und Albert Sigl, diesmal Friedrich Schiller persönlich, dessen Geburtstag sich am 10.11.2009 zum 250. mal jährte.
Das jeweilige neueste Programm der auch in den umliegenden Landkreisen schon recht bekannten literarischen Reihe, wird nach gutem Brauch - auf Einladung unserer Bibliothek – immer in der Aula des Anne-Frank-Gymnasiums „welturaufgeführt“.
Wie immer arbeiteten die
drei Vortragenden – ihrem Naturell entsprechend – jeder einen ganz bestimmten
Themenausschnitt des Dichters heraus.
Albert Sigl lieferte den
über 100 anwesenden Zuhörern Hintergrundinformationen zur damaligen Zeit und
verlas einen Erlass aus dem 18. Jahrhundert, den er auf die heutige Zeit
ummünzte, wodurch er zeigte, wie rigide die damalige Obrigkeit vorging. Des Weiteren
zeigte er anhand der Entdeckung der Spektralfarben durch Isaac Newton, wie
Schiller und andere Geisteswissenschaftler der damaligen Zeit gegenüber
Entdeckungen der Naturwissenschaften nicht gerade aufgeschlossen reagierten,
wenn sie mit ihren ästhetischen Ansichten nicht konform gingen.
Der Journalist Peter B.
Heim gab preis, dass es ihm als Schüler stets vor Schiller’s Lyrik gegraut
hatte.
Er hielt ihm jedoch zu
Gute, dass er ein Dichter der damaligen Jugend gewesen sei und durch seine
Dramen durchaus revolutionäres Gedankengut verbreitete.
Despektierlich, wie gewohnt, aber dabei höchst unterhaltsam, setzte Klaus Schiermann den Schlusspunkt. Er zitierte aus Briefen Schillers – die dieser in Unmengen produzierte – die neben seiner Rivalität zu Goethe auch sein, der Moral der damaligen Zeit oft entgegenstehendes Verhältnis zu „seinen“ Frauen aufzeigte, indem er sich neben seiner Ehefrau zeitweilig noch zwei „Lieblingsmusen“ hielt.
Der Veranstalter brach in seinem Schlusswort ausdrücklich nochmals eine Lanze für Sprache und Werk des großen Dichters und verriet dabei, dass er bei der Lektüre der „Maria Stuart“, sozusagen sein „dramatisches Erweckungserlebnis“ hatte.
Am Schluss des Abends konnten 4 glückliche Gewinner wertvolle Buch- und Hörbuchpreise mit nach Hause nehmen. Sie hatten nämlich die drei Fragen, die auf einer Rätselkarte, welche am Anfang des Abends ausgeteilt wurde, richtig beantwortet. Die Antworten konnten durch gutes Aufpassen während des Vortrags der drei Gäste, sozusagen „erlauscht“ werden. Die Fragen lauteten:
1.) Wieviel Einwohner hatten Erding
und das Städtchen Weimar um 1800?
2.) Wer war Elisabetha Dorothea Kodweis?
3.)
Warum erhielt Schiller Berufsverbot?
Leser dieses Artikels, welche die Fragen nicht beantworten können, wären wohl besser zum Schiller-Abend gekommen ;-)
Olaf Eberhard
Auf neuen Wegen näherten sich drei Erdinger Autoren Friedrich Schiller, dessen 250. Geburtstag sich heuer jährt.
von Siggi Niedergesäss
Literatur- und Schillerfreunde fanden sich in der Aula des Anne-Frank-Gymnasiums ein und ließen sich von Klaus Schiermann, Peter B. Heim und Albert Sigl überraschen. Humorvoll und Kompetent gelang es dem Trio, auf Einladung von Olaf Eberhard, dem Leiter der Landkreisbibliothek, allerlei Schillerndes und Neues über den großen deutschen Dichter und den literarischen Diamanten ans Licht zu bringen.
Vor allem waren es die neuen Zusammenhänge, durch die der Abend lebendig und zu einem Erlebnis wurde. So verlas Sigl einen Erlass, der unmittelbar nach Beginn der Veranstaltung in Kraft treten sollte. Der regierende Landrat sei mit Durchlaucht anzusprechen, die Grenzen sind geschlossen, alle Einkünfte stehen dem Herrscher zu, der Kreistag ist abgeschafft, alle wehrfähigen Männer werden eingezogen und was Kunst ist, bestimmt der Herrscher.
Was heute undenkbar wäre und die Zuhörer zum Lachen brachte, war für den am 10. November 1759, also vor 250 Jahren, geborenen Schiller Teil seines Lebens. Auf herzoglichen Befehl musste 1773 in die Militärakademie Kalrsschule eintreten.
Heim näherte sich dem Revolutionär Schiller. So sei Don Carlos das Drama einer inneren Revolution, und Maria Stuart der Typ weiblicher Revolutionär. Zu seiner Zeit sei er der Dichter der Jugend gewesen, so wie heute de Rapper Jay-Z oder DJ Ötzi.
Schiermann nahm sich den Dichter vor, der Briefe in Massen produzierte, dabei aber immer nach seinem Publikum schielte und als Schwerpathetiker gern zur lyrischen Leier griff. "Die Glocke" sei als Gemeinschaftswerk von Johann Wolfgang von Goethe und Schiller entstanden. "Goethe wollte nicht und Schiller bastelte", so Schiermann.
Aber er entlarvte ihn als einen, der zwischen Lüsternheit verdeckt zur Revolution aufrief und auf direktem Weg, unter Umgehung des Bildungsballastes, schwülstige Gedichte schrieb: "Weil er Verse drechseln konnte, war er sexy und hielt sich in Rudolstadt gleich zwei Lieblingsmusen, heiratete aber Charlotte von Lengefeld, die ihm ergeben war."