Franz Kafka persönlich genommen

Franz Kafka Abend am 17. Oktober 2008

Literarisches "Trio Infernale" nähert sich dem großen Autor an

In ihrer Reihe „persönlich genommen“ (die ja im AFG sozusagen aus der Taufe gehoben wurde, und deren neue Programme stets bei uns uraufgeführt werden), näherten sich die bekannten Heimatautoren Peter B. Heim, Klaus Schiermann und Albert Sigl diesmal dem – auch im Deutschunterricht oft verwendeten – großen Prager Dichter Franz Kafka an.

Ihre Herangehensweise war jedoch – wie bekannt – in keinster Weise pädagogisch. In zweil Blöcken behandelte jeder der Vortragenden in 15 Minuten einen bestimmten Aspekt aus Leben, Zeit und Werk Kafkas: Albert Sigl brachte den mehr als 100 Zuhörern (darunter erfreulicherweise auch keine geringe Zahl an SchülerInnen) die geographischen, familiären und zeitlichen Umstände unter den Kafka seine Werke schrieb, nahe.

Sein Fazit passte zu Kafkas Werk: „Alles Leben ist Fragment“.

Schon fast „kafkaesk“ war dann die Vorgehensweise Peter B. Heim’s bei seiner Textauswahl aus Kafkas Werk. Nach einem ausgeklügelten System, das auf Primzahlen basierte, lies er den Zufall entscheiden welche Passagen er aus Kafkas Werk zum Vortrag auswählte. Darunter waren dann Ausschnitte aus „Der Verschollene“ und „Das Schloss“, sowie einige Briefauszüge, welche Kafkas schwierig zu nennendes Verhältnis zum anderen Geschlecht begreifbar machten.

Fast schon ein Schauspiel bot schließlich der auch als Sprecherzieher tätige Klaus Schiermann: Er las den bekannten „Bericht an eine Akademie“ in dem der Affe Rotpeter erklärt, wie aus ihm ein Mensch wurde. Schiermann zog alle Register seiner Kunst und trug den Bericht heftig gestikulierend, mit skurril verstellter Stimme, passender Mimik und perfektem Primatenverhalten vor. Kafkas Text erinnerte so auf erschreckende Weise daran, dass der Unterschied zwischen Affe und Mensch trotz jahrtausendlanger Evolution oft nicht allzu groß ist.

Ein weiterer Höhepunkt des Abends war das eindrucksvolle Spiel der ehemaligen Schüler und „Alt-Stars“ des Oberstufen-Theaters Patrick Mayer und Michael Schewtschenko, die unter der Regie von Klaus Schiermann die berühmte Türhüter-Parabel aus „Vor dem Gesetz“ aufführten.

Abgerundet wurde die vom Publikum sehr positiv aufgenommene Veranstaltung durch den als Hommage an Franz K. extra für diesen Abend gemixten Drink „Moldau-Nebel“, sowie durch Schautafeln, die der Leistungskurs Deutsch der KS 13 sehr schön, übersichtlich und informativ gestaltet hatte.

Wer seine Kafka-Lektüre wieder etwas aufrischen oder gar erst beginnen wollte, der hatte bei einem Rätsel, bei dem drei Fragen richtig beanwortet werden mussten, die Gelegenheit Audio-CDs sowie einen voluminösen Band mit allen Erzählungen des großen Pragers zu gewinnen. Fünf glückliche Gewinner, die wussten wo Kafka seinen ersten Brief an Milena J. Polak schrieb (nämlich in Meran), welchen „Diamanten“ er im Juli 1923 fand (nämlich seine Lebensgefährtin Dora Diamant) und welche Stadt sein „Gegenmittel“ zum tristen Prag war (nämlich Berlin)*), konnten den interessanten Abend mit ihrer neuen Lektüre oder einem Hörbuch verlassen.

Olaf Eberhard

*) natürlich waren die Antworten auf die Rätsel-Fragen in den Programmen der vortragenden Autoren versteckt!

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