Alina Bronsky liest aus "Scherbenpark"

Herbstautorenlesung 09 - Alina Bronksy zu Gast mit „SCHERBENPARK“

Lesung mit Alina Bronsky am 28. November 2008 - mit kongenialer Musik von nfo-literally

Ein Shooting-Star der Literatur-Szene in Deutschland war zu Gast in unserer Aula.

Im Rahmen der „Herbst-Autorenlesung“, die bereits im 22. Jahr – initiiert von der Landkreisbibliothek im Anne-Frank-Gymnasium – stattfindet, stellte die russisch-stämmige Autorin Alina Bronsky ihren Debüt-Roman „Scherbenpark“ vor.

Mehr als 130 Zuhörer wollten die Autorin, die für „Scherbenpark“ einhelliges Lob der Literaturkritik erhalten hatte (bspw. „ein neues Fräulein-Wunder“, „eine Autorin, die Wörter wie ansatzlose Aufwärtshaken austeilen kann“) live erleben.

Und sie wurden nicht enttäuscht: sie lernten eine äußerst sympathische und selbstbewusste junge Schriftstellerin kennen

In ihrem Buch schildert Sie das spannungsgeladene Leben der 17-jährigen Sascha, deren Mutter von ihrem Stiefvater getötet wurde und die nun zusammen mit einer Großtante aus Nowosibirsk für ihre beiden kleinen Geschwister sorgt. In einer rasanten Sprache wird die innerliche Anspannung Saschas eindrucksvoll geschildert. Sie lebt in einer Welt voller Gegensätze: sie selbst darf auf Grund ihrer Begabung ein Elite-Gymnasium besuchen , lernt aber einen Zeitungsverleger und dessen Sohn kennen, die ein gutsituiertes Leben führen, während Sasch im Spannungsfeld von Aggressivität, Alkohol- und Drogenmissbrauch in der Wohnung eines hessischen Hochhausghettos lebt. Zwei Pläne, die sie unbedingt verwirklichen will treiben Sascha an: sie will ein Buch über ihre Mutter schreiben und ihren Stiefvater. sobald er aus dem Gefängnis entlassen wird, töten.

Alina Bronsky gelingt es diese schwierige Geschichte glaubhaft und vor allem in einer Sprache, der man die 17-jährige Protagonistin abnimmt, zu erzählen. Ihre Vortragsweise war angenehm, gut betont und dadurch sehr eindringlich.

Sehr offen antwortete sie auch auf die Fragen, die ihr der Bibliotheksleiter in einem öffentlichen Gespräch nach der Pause stellte. So erfuhr das Publlkum, dass „Alina Bronsky“ ein Pseudonym ist, das sie verwendet um ihre Familie vor einer zu starken Medienaufmerksamkeit zu schützen.

Auf die Frage des Schülers Nils Dresemann, wie sie in der Schule im Fach Deutsch gewesen sei sagte sie: „Schon sehr gut, aber es war nicht mein Lieblingsfach und man kann auch vieles im Leben erreichen (unter anderem auch Schriftstellerin werden), ohne gut in Deutsch zu sein.“

Dem Publikum stellte sich hier eine trotz des vielen Lobes und der guten Verkaufszahlen des Buches (es wird demnächst auch in den USA und Italien erscheinen und es gab auch schon Anfragen wegen Filmrechten) noch sehr natürlich und bescheiden gebliebene, Autorin vor. Sie gab die Sympathie des Publikums zurück indem sie sagte, die Erdinger Lesung sei die schönste auf ihrer Lesereise in Bayern gewesen, was Sie auch auf Ihrer aktuellen Website unter http://ms-bronsky.livejournal.com/2009/02/17/ in ihrem Tagebuch öffentlich bekannt gibt. (siehe Textauszug am Ende dieses Artikels).

Vertieft wurde ihr spannender Vortrag durch experimentelle Klänge von nfo-literally (die Musiker Simon und Philipp Kummer aus Pretzen), die nach Lektüre von „Scherbenpark“ eigene Kompositionen für Schlagzeug und „Turntables“ eindrucksvoll darboten. Inspirieren ließen sich die beiden „Kummer“-Brüder dabei auch von der Musik der ehemaligen russischen Kult-Hardrockband „Nautilus Pompilius“, die auch im Buch eine Rolle spielen, denn sie gehören zur Lieblingsmusik von Saschas Mutter.

Abgerundet wurde der interessante und gelungene Abend durch ein russisches Büffet mit „Sakuski“ (russ. Vorspeisen) ergänzt durch einen „Fingerhut“ voll Wodka für jeden Besucher. So waren sich am Ende Veranstalter, Autorin, Musiker und vor allem das Publikum einig, wieder einmal ein literarisches Highlight am Anne-Frank-Gymnasium erlebt zu haben.

Olaf Eberhard

Tagebuch-Eintrag von Alina Bronsky auf Ihrer Homepage (Auszug):

February 17th, 2009

Meine Nummer 1

Feb. 17th, 2009 at 10:22 PM

„Ich sortiere meine Fahrkahrten aus den letzten Monaten. Die Lesereise hat mein Deutschlandbild ziemlich verändert. Ich hab neue schöne Städte kennengelernt, und schöne Städte sind für mich neuerdings Städte, an welchen
1) meine Lesungen sehr gut besucht waren oder
2) meine Bücher (nahezu) ausverkauft waren oder
3) sonst irgendetwas sehr Angenehmes passiert ist (Mehrfachnennungen möglich).
Deswegen heißen meine Lieblingsstädte jetzt Mainz (meine erste Lesung!), Bielefeld, Bad Wildungen, Hamburg, Stuttgart, Darmstadt, Hannover. Die unbestrittene Nummer eins aber: ERDING. Jeder, der da mal auf Einladung des coolsten Schulbibliothekars Bayerns gelesen hat, weiß genau, was ich meine.“.

Alina Bronsky

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