Richtig baff waren Mitwirkende und Veranstalter über den
Publikumszuspruch, den der am 29. Januar angesetzte Afrika-Abend erfuhr.
Trotz des großen Schneeaufkommens der Vortage und auch dem
am Abend erneut einsetzenden starken Schneefalls, kamen weit über 200 Besucher
zu diesem nicht nur informativen, sondern auch kulinarischen und künstlerischen
Abend.Der Landkreisbibliothek, die den Abend organisierte, war es
gelungen interessante Referenten, eine Super-Köchin aus Kenia und zwei vor
Trommellust kaum zu überbietende Musikgruppen, in denen viele Ghanaer
mitwirkten, für den Abend zu gewinnen.
Höhepunkt der Veranstaltung war die Aufführung des
Theaterstückes „Butterfly Blues“ von Henning Mankell.
Einige Details zum Abend, für alle die nicht dabei sein
konnten:
Nach einer kurzen Einführung ins Thema durch den Landkreisbibliothekar, berichtete
die mit einem Ghanaer verheiratetete Erdingerin Karin Fengler-Mensah
beeindruckend über die Lebenssituation in Ghana, das Sie zusammen mit ihrem
Gatten sehr oft bereist. Es wurde deutlich, dass trotz schwierigster
wirtschaftlicher Verhältnisse dort, die Menschen ihre Lebensfreude, Gastfreundschaft
und Menschlichkeit noch nicht verloren haben.
Die Schülerinnen und Schüler des W-Seminars „Afrika“ unserer Q11 unter Leitung von StD Hartl, befassten sich im Unterricht mit den Gründen für Migration und stellten ihre Arbeitsergebnisse sowohl mündlich auf der Bühne, als auch in schön gestalteten Schautafeln auf zwei Stellwänden vor. Es wurde deutlich, dass sich die Schüler intensiv ins Thema eingearbeitet hatten und dadurch auch dafür sensibilisiert waren.
Nach einem Trommelintermezzo der Gruppe NOKONBA, in der Erdinger Trommelschüler unter der Leitung von Samuel Mensah Odai begeistert ihre Rythmen schlugen, kamen zwei Betroffene, nämlich die Ex-Flüchtlinge Uche Akpulu und Hamado Dipama zu Wort.
Die beiden leben seit einigen Jahren in München und sind als politische Flüchtlinge (sie stammen aus Nigeria und Burkina Faso) anerkannt. Sie engagieren sich in München in mehreren Organisationen, wie bspw. dem Bayerischen Flüchtlingsrat, dem Panafrikanismus-Forum und dem Verein Karawane. Aus ihren Aussagen wurde deutlich wie schwierig es für Betroffene ist, aus ihren Ländern flüchten zu müssen und aufgrund der Verfolgung dort, auch lange Zeit nicht mehr die Heimat besuchen zu können. Die sehr sympathischen Schwarz-afrikaner erklärten aber auch, dass Migration nicht die Lösung für Afrika sein kann. Vielmehr sollten die reichen Länder des Westens den afrikanischen Ländern mehr Hilfe zur Selbsthilfe anbieten, um vor allem demokratischere politische Systeme installieren zu helfen.
Herr Akpulu sagte, dass es nicht generell an materiellem Reichtum (Bodenschätze u.a.) fehle, sondern hauptsächlich an der richtigen Verteilung der Einnahmen und der Verwaltungs-Organisation.
In der Pause vor dem Theaterstück konnte sich das Publikum an der Musik der Gruppe NKABOM um den in Erding lebenden Ghanaer Peter Yeboah erfreuen, dazu afrikanische Köstlichkeiten der ebenfalls in Erding lebenden Kenianerin Amina Richter genießen und sich mit wunderbar gefertigtem südafrikanischem Kunsthandwerk eindecken, das die in Freising lebende Südafrikanerin Nadine Cedrone anbot und dessen Erlös in dortige Townships fließt.
Nach der Pause folgte dann in einer beeindruckenden Inszenierung des Münchner Galerie Theaters, die Aufführung von „Butterfly Blues“. Henning Mankell war ursprünglich Theater-Autor und leitet seit 1985 das Teatro Avenida in Maputo, der Hauptstadt Mosambiks.
Neben den berühmten Wallander-Krimis schreibt Mankell seit Jahrzehnten auch beeindruckende Romane und Jugendbücher über den afrikanischen Kontinent, der ihm besonders am Herzen liegt und dessen Lage er durch vielfältiges Engagement stetig zu verbessern hofft. In „Butterfly Blues“ wird ungeschönt dargestellt, wie zwei Afrikanerinnen, die sich durch ihre Flucht nach Europa ein menschenwürdigeres Dasein erhoffen, desillusioniert feststellen müssen, dass sie niemand erwartet hat und sie nicht willkommen sind. Sie begegnen Schleppern, kommen in Auffanglager und geraten nach der erneuten Flucht an Mädchenhändler und selbstgerechte Ignoranten. Ein bitteres Theaterstück über Menschen auf der Suche nach einer Heimat.
Durch das spartanische Bühnenbild und die wunderbar gefertigten Figuren von Bühnenbildnerin und Puppenspielerin Manuela Clarin gewann das eindringliche und professionelle Spiel der hervorragenden Schauspieler*) noch an Intensität. Der erfahrene Regisseur Ingmar Thilo inszenierte das sozialkritische Stück behutsam und durch den beeindruckenden Einsatz der Figuren, hart zugleich. Die Lichttechniker unseres AK-Technik konnten durch geschickte Belichtung (z.B. Seitenlicht hinter der Bühne) die Szenerie des Figurentheaters noch eindringlicher erscheinen lassen.
Für Desirée Siyum aus Bockhorn, die das Mädchen Ana verkörperte, war es ein in mehrerer Hinsicht besonderer Abend. Sie spielte nämlich auf der Bühne des Anne-Frank-Gymnasiums bereits im Oberstufentheater sowohl unter der Regie von Wilhelm Kretschmann, als auch bei dessen Nachfolgerin Margit Pfeiffer-Schneider. Nach dem Abschluss ihrer Schauspielausbil-dung ist sie die erste Schülerin des AFG, die als Profi wieder auf die „Bretter“ der Schulbühne zurückgekehrt ist. Und, Desirée hatte am Tag des Afrika-Abends auch noch Geburtstag und wurde deshalb am Schluss des Abends von ihren Schauspielkollegen mit einem toll gesungenen „Happy Birthday“ und vom Veranstalter mit einem Geburtstagskuchen überrascht.
Publikum, Referenten, Theaterleute und Veranstalter waren sich einig, dass Sie Mitwirkende und Zeugen eines wunderbaren und denkwürdigen Abends am AFG wurden.
Das zeigte auch der kaum enden wollende Applaus am Schluss der Veranstaltung.
Olaf Eberhard
Bibliothekar
*) neben Desirée Siyum spielten: Calvin Burke (Schauspieler, Sänger, Autor, Regisseur, USA), Jerrold C. Johnson (Sänger und Schauspieler, USA), Sarah Zadow (Schauspielerin, Kenia und USA)
|
18.30 Uhr
|
Einlass - Abendkasse
|
|
19.05 Uhr
|
Trommelgruppe NOKONBA
|
|
19.10 Uhr
|
Begrüßung
|
|
19.20 Uhr
|
Uche Akpulu und Hamado Dipama schildern eigene Erfahrungen
|
|
19.30 Uhr
|
Trommelgruppe NOKONBA
|
|
19.35 Uhr
|
SchülerInnen des W-Seminars "Afrika" am AFG präsentieren ihre Arbeitsergebnisse
|
|
19.45 Uhr
|
Frau Karin Fengler-Mensah gibt aktuelle Informationen aus Ghana zum Thema
|
|
19.55 Uhr
|
PAUSE
mit Musik v. Mitgliedern der Gruppe NKBOM
|
|
außerdem:
|
Barbetrieb - afrikanischer Imbiss (von "Mama Afrika", Amina Richer)
Kunsthandwerk aus südafrikanischen Townships (Frau Nadine Cedrone, Info: www.africaworks.de) |
|
20.15 Uhr
|
Theaterstück
"Butterfly Blues" von Henning Mankell
mit ca. 25 minütiger Zwischenpause
|
|
22.15 Uhr
|
Ende - Verabschiedung
letzte Möglichkeit zum Kauf von afrikanischem Kunsthandwerk
|