Zaubereien in Oz (2006)

Zaubereien in Oz nach Motiven von L. Baum (UST 2006)

Über unser Stück

Die Geschichte von dem Mädchen Dorothy, das mit seiner Tante Emily und seinem Onkel Henry auf
einer Farm in Kansas lebt und von einem Wirbelsturm in das Land Oz getragen wird, ist zu einem
Kinderbuchklassiker geworden. Im Vordergrund steht bei der Vermittlung in Form von
Bilderbüchern und Zeichentrickserien vor allem die Abenteuergeschichte des kleinen Mädchens, das
mit Hilfe neu gewonnener Freunde manche Prüfung besteht und endlich für seine Mühsal belohnt
wird, indem sich sein Wunsch, nach Hause zurückzukehren, auf magische Weise erfüllt.
1964 vermutete ein Professor namens Henry Littlefield, dass das Buch politisch motiviert sei. In der
zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts standen sich nämlich die durch den Kauf moderner
Landmaschinen hochverschuldeten Bauern im Westen der Vereinigten Staaten und die Bankiers im
Osten in einem politischen Kampf um die Inflation gegenüber. Während die Bankiers an einem reinen
Goldstandard festhielten, plädierten viele Bauern, die aufgrund der erhöhten Produktivität infolge
des technischen Fortschritts unter Preiseinbrüchen für Agrarprodukte litten, dafür, das USPapiergeld
sowohl mit Gold als auch mit Silber zu decken. In dem Buch kehrt das Bauernmädchen
Dorothy daher dank der Zauberkräfte ihrer silbernen Schuhe nach Hause zurück. Während
Littlefields Lesart in unserem Stück rudimentär in der Figur des Zwergen anklingt, ist diese
Deutungsmöglichkeit in der berühmten Verfilmung verloren gegangen, weil die silbernen Schuhe
wegen der größeren optischen Wirkung durch rubinrote ersetzt wurden.
Beliebt wurde aber vor allem diese Musical-Version, die durch Lieder wie „If I Only Had A Brain“
und „Somewhere, Over The Rainbow“ unvergesslich geworden ist (und wir bedanken uns beim
Oberstufentheater, dass durch das Zitat des letztgenannten Songs in der Inszenierung von Oscar
Wildes Komödie dieses Frühjahr bereits Werbung für uns gemacht wurde). In dieser Fassung gelingt
es Dorothy (Judy Garland) ebenfalls nur mithilfe der magischen Zauberschuhe, in ihre Heimat
zurückzukehren.
Was uns an dieser Geschichte mehr als Politik und Magie interessierte, waren die Charaktere selbst,
durch deren Überzeichnung in unserem Stück letztlich eine andere Bedeutung deutlich wird.
Auf dem Weg zum Zauberer, von dem sich alle vergeblich die Lösung ihrer Probleme erwarten, trifft
Dorothy

  • eine sehr kluge Vogelscheuche, die trotz Stroh im Kopf immer wieder beweist, wie schlau sie ist,
  • einen Blechmann, der von sich glaubt, herzlos zu sein, den tatsächlich aber wirklich jeglicher Anlass zu Tränen rührt,
  • und einen Löwen, der von sich glaubt, nicht mutig genug zu sein, seit er einmal vor einer übermächtigen Bedrohung geflohen ist, der aber durch seinen mutigen und todesverachtenden Einsatz alle vor dem Verderben bewahrt.

Alle diese Charaktere haben Selbstbilder, die nicht viel mit der Realität zu tun haben, die sie aber
daran hindern, sich zu entfalten. In den Zwischenszenen findet der Zuschauer dieses Motiv wieder,
vor allem aber so manche Selbstzweifel, die eben nicht nur typisch für Ozzianer und pubertierende
Jugendliche sind: Figurprobleme, Angst zu dumm, zu schwach oder unbeliebt zu sein. Gegen
lähmende Selbstzweifel anzukämpfen, die auch noch von anderen – hier dargestellt in den Kalidah-
Figuren- geschürt werden, ist die Hauptaufgabe der vier Helden. Die Freunde aus Oz ersetzen
Selbstzweifel durch Selbsterkenntnis und auch Dorothy erkennt, dass es nicht hilft, immer nur auf die
magischen Kräfte anderer zu hoffen. So wagt sie am Ende, sich auf die eigene Kraft zu verlassen.
Um dahin zu kommen, wo sie hin will, muss sie sich selbst auf die Socken machen, geht sie „einfach
ihren Weg“.

Ingrid Kleine-Bradley

Fotogalerie

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