Viel Lärm um Nichts (OST 2009)

"Viel Lärm um Nichts oder "Endlich Shakespeare"

Was ist das schönste Geschenk, das sich eine Spielleiterin zu ihrem zehnjährigem Bühnenjubiläum machen kann? Natürlich Shakespeare. Doch welches Stück?

Die Historien kamen nicht in Frage: zu ernsthaft, zu anspruchsvoll und, ehrlich gesagt, auch zu langweilig, es sei denn, man wählt die "Black Adder" - Version, aber das wäre für das Erdinger Theaterpublikum wohl etwas verwirrend gewesen.

Eines der wunderbaren problem plays? Zu problematisch...

Also eine Tragödie. Hamlet oder Romeo oder Juliet boten sich an, Stücke, mit deren Protagonisten sich junge Menschen auch heute noch identifizieren können, da Zoff mit dem Erwachsenen eines der ewig aktuellen Themen ist. Doch dann fragte einer aus der Truppe an, ob es bei den Proben zu einer Tragödieauch etwas zu lachen gäbe ...

Das gab uns dann wiederum zu denken und ließ uns weiter suchen.

Eines der "antiken" Stücke? Vielleicht Troilus und Cressida? Wir sind doch nicht die Kammerspiele!

Nun gut, dann eben eine Komödie. So weit gekommen, fiel die Entscheidung relativ leicht. Midsummernight's Dream und Twelth Night waren auf der Bühne des AFG zu Menschengedenken produziert worden. Measure for Measure spielten sie in München, alle anderen waren zu albern, so blieb nur noch Much Ado about Nothing übrig.

Man einigte sich und die Schauspieler traten zum Casting an. Die Casting-Couch wurde von Technik, Inspizienz und Spielleitung besetzt, die zeigten, was sie bei DSDS, POPSTARS und GNTM gelernt hatten: Es gab erste Runden, recalls, rerecalls und battles, so lange, bis die ideale Besetzung stand.

Diese ideale Besetzung fand sich noch im Herbst 2008 in der Aula des AFG ein, jonglierte mit den Podesten und entwarf das Bühnenbild für den "Zirkus-Shakespeare im 80ies-Style": sehr bunt und irgendwie rund. The rest is history ...

Als dann der Brand im Chemietrakt alle konventionellen Bühnenmöglichkeiten unmöglich machte, zuckten wir (Schauspieler, Regie und Inspizienz) nur mit den Schultern, die Beleuchter hingegen zuckten zusammen. Ihnen fehlte nach Versiegelung des Musiktraktes der "Starkstromzugang". Die Spielleiterin verkannte den Ernst der Lage und meinte, dass man dann eben mit einer "Notbeleuchtung" arbeiten müsse; sie meinte, sie habe kein Problem damit, wenn jeder Beleuchter einen Bauscheinwerfer mittels Kippschalter bediene. Licht an, Licht aus. Dieses Beleuchtungskonzept ging aber dann doch entschieden gegen die Berufsehre der Techniker. Auch das Argument, dass zu Shakespeare's Zeiten die Beleuchtung (freilich nicht die Bauscheinwerfer, sondern das volle Tageslicht) nicht anders gewesen sei, vermochte sie nicht zu überzeugen. Sie addierten Wattzahlen, fuhren volles Risiko und brachten (ohne "Starkstromzugang") eine Generalprobe eine sneak preview und vier Vorstellungen über die Bühne, ohne einen mächtigen Kurzschluss zu erzeugen.

Das wunderbare Bühnenbild war also zu jeder Zeit zu sehen! Das schönste und totalste Bühnenbild aller Zeiten! Hier zeigte die Inspizienz was man mit klaren Vorgaben (viel Raum, viel Farbe, eben irgendwie zirkusartig ...) machen kann. Das uns das Schicksal / die Muse / die göttliche Eingebung / IKEA zum richtigen Zeitpunkt eine ausreichend große Anzahl von Duschvorhängen in ausreichend großer Farbvielfalt zur Verfügung stellte, schmälert das Verdienst der Bühnenbauer nicht!

Um das Bild abzurunden, müssen an dieser Stelle auch die Leistungen der Kostüm- und die Maskenbildnerinnen gerühmt werden: Ohne mit der Wimper zu zucken, setzten sie die verrücktesten Einfälle um, probierten unermüdlich und waren erst mit dem Besten zufrieden.

Welch gute Arbeit alle geleistet hatten, konnte man erkennen, als man die Schauspieler auf der Bühne sah. Sie gingen völlig in ihren Charakteren auf und spielten ihre Rollen im Einklang mit sich und Shakespeare's Welt. Bewunderswert, mit welcher physischen Präsenz sie agierten! Noch nie haben meine Schauspieler sich so überzeugend geprügelt, geknuscht, gestritten, bealbt, belabert und bezirzt. Ich bin sehr stolz auf sie.

Margit Pfeifer-Schneider

Inhalt

Der Krieg ist zu Ende. Siegreich und übermütig, voller Lebensfreude kehren der Prinz Pedro von Aragon und seine Begleiter aus dem Kampf zurück und zu Besuch bei Leonato, dem Gouverneur von Messina, ein. Auch der illegitime Halbbruder von Don Pedro, der melancholische und verbitterte Don Juan, ist bei der Gesellschaft. Claudio  verliebt sich in Leonatos Tochter Hero. Auf einem Fest wirbt Don Pedro für Claudio und gewinnt Heros wie Leonatos Zustimmung. Alle könnten fröhlich sein, aber über die Ausgelassenheit des Fests legt sich der Schatten der Intrige. Den ersten Zweifel, Pedro habe Hero für sich selbst geworben, den Don Juan in Claudios liebesseliges Gemüt sät, kann Benedikt beseitigen. Dabei ist Benedikt ein erklärter Feind der Ehe und gibt sich als überzeugter Junggeselle. Was allerdings die Freunde nicht ruhen lässt. Sie schmieden ein Komplott, um Benedikt zum Ehemann zu bekehren ... da wäre ja die schöne Beatrice .... Diese ist eine so scharfsichtige und spitzzüngige Kritikerin der Männer im allgemeinen wie Herrn Benedikts im besonderen, dass man vielleicht meinen könnte, die beiden seien einander wahrhaft würdig ... In vielen ironischen Wortscharmützeln und schlagfertigem Geplänkel beweisen Benedikt und Beatrice das auch. So könnte die Komödie um ein sanftes und ein streitendes Liebespaar ihren glücklichen Verlauf nehmen, wüsste Shakespeare nicht alles über die dunklen Seiten der menschlichen Seelen, über die Abgründe der Bitterkeiten, die das Herz nicht zur Ruhe kommen lassen. Don Juan, mit dem prinzlichen Bruder jüngst schwer zerworfen und gerade eben versöhnt, ist der klassische Exponent dieser seelischen Dunkelheit, dieser melancholiebesessenen Sehnsucht nach Zerstörung. Sein Impuls, das heitere Glück zu zerstören, löst beinahe eine Tragödie aus. Doch im Reich der Komödie können die wackeren Männer der Bürgerwehr den Beweis für die Intrige und damit für die Unschuld der verfolgten Hero liefern. Und selbst Benedikt erweist sich als so integerer Charakter, dass schließlich sogar Beatrice zugeben muss, dass sie Benedikt liebt, wenn "auch nicht übermäßig" ...

William Shakespeare (1564 - 1616) schrieb "Much Ado about Nothing"  um 1598, erstmals gedruckt wurde die Komödie in der Quarto-Ausgabe von 1600. Vorausgegangen waren wohl einige Aufführungen ("sundry times publicly acted" ), die wohl große Popularität genossen: "... let but Beatrice and Benedick be seen, lo in a trice ..."

Die Personen auf der Bühne in der Reihenfolge ihres Auftretens:

Leonato, Gouverneur von Messina Benedikt Wille
Antonio, sein Bruder Samuel Jeske
Beatrice, Nichte des Leonato Maria Menzinger
Hero, Tochter des Leonato Meike Stein
Margarethe, Begleiterin der Hero Christine Michalek
Ursula, Begleiterin der Hero Anna Kerfers
Bertha, Begleiterin der Hero Claudia Cako
Balthasar, Diener des Don Pedro Laura Faiß
Don Pedro, Prinz von Aragon Amelie Meyer
Don Juan, sein unehelicher Bruder Geraldine Chalaud
Claudio, ein junger Edelmann aus Florenz Daniel Valdivia-Schoss
Benedikt, ein junger Edelmann aus Padua Steven Görlich
Conrad, Gefolgsmann des Don Juan Kora-Lee Claude
Borachio, Gefolgsmann des Don Juan Maria Grüneberger
"Mad Dog" Dogberry, Wachtmeister Volker Hartmann
Schlehwein, Unterwachtmeister Sandra Gropp / Laura Faiß
1. Wache Jakob Neumüller
2. Wache Laura Naefe
3. Wache Michelle Schraudy
4. Wache Nils Dresemann
Schreiber Hans Maier
Bruder Franziskus Julia Gollnow

Johannes Hochholzer an der Marimba

Die Personen hinter der Bühne in alphabetischer Reihenfolge:

Elena Cuadrado, Theresa Doll, Maximilian Dreyer, Julian Färber, Franziska Flügel, Benedikt Groh, Veronika Hacker, Julia Herrmann, Peter Hintermaier, Johannes Hochholzer, Lucas Jacobson, Elisabeth Liebl, Verena Mayer, Lisa Pintz, Janine Rubinstein, Vera Strobl, Moritz Weinsziehr, Tina Zander.

Produziert unter der direkten und absoluten Gesamtleitung von Margit Pfeiffer-Schneider

Pressestimmen

Fotogalerie

Zurück