Komödie der Eitelkeit (OST 2007)

Es stellt sich oft die Frage, was Schüler dazu bewegt, sich am Wochenende und an Nachmittagen stundenlang in der Schule aufzuhalten und das noch, wenn sie kurz vor dem Abitur stehen und eigentlich lernen sollten. Ich bin auch eine von ihnen und ich weiß ganz genau, was mich vom Lernen abhält: Der unglaubliche Zauber des Theaters. Ihm bin ich bereits seit der 5. Klasse erlegen und nun stehe ich in meinem letzten Jahr und in einem Monat werde ich mich von dieser Schule und vom Theater verabschieden.

Das Theaterjahr 2007 war ein spannendes Jahr. Mit Elias Canettis Drama „Komödie der Eitelkeit“ hatten wir uns an schwieriges und auch schwer umzusetzendes Material gewagt, doch das Oberstufentheater liebt ja Herausforderungen.

Das Stück, das wir gewählt hatten, beleuchtet die Menschen und die Gesellschaft von einer ganz anderen Seite. Die Eitelkeit eines jeden wird zum Hauptthema und das Individuum verliert sich letztendlich in einer Ideologie der Masse. In der „Komödie der Eitelkeit“ haben wir es mit einer Gesellschaft zu tun, in der Spiegel und Fotografien verboten sind, um die Leute davon abzuhalten, sich selbst zu betrachten. Doch dieser Entzug ihres eigenen Abbilds führt zu dem Verlust ihrer Identität. Die Menschen sehen sich nicht mehr und wissen nicht mehr, wer sie sind.

Wie in jedem totalitärem Staat spaltet sich die Gesellschaft in zwei Lager. Die Kollaborateure und die, die insgeheim Widerstand leisten. Insgeheim, weil sie verbergen, dass sie Spiegel im Haus verstecken und dass sie ihre Freizeit im Spiegelbordell der Madame Fant verbringen, um wenigstens einen kleinen Blick auf sich zu erhaschen. Doch letztendlich erliegen sie der geheimnisvollen Aura ihrer „Sonne“, ihrer Führerfigur. Heinrich Föhn ist derjenige, der das Heft in der Hand hält und den verzweifelten Zustand der Menschen um sich herum genießt. Er hat genau bemerkt, dass sie ihn brauchen, zu ihm sehen sie auf und er führt sie am Schluss zu einer großen Masse zusammen, die ihn als ihren Mittelpunkt, ihr Lebenselexier sieht – das Ich wird zum Wir.

Zuschauerkommentare bestärkten uns in dem Gefühl, dass wir es tatsächlich geschafft hatten, dieses Stück auf die Bühne zu bringen. Und zwar mit Bravour! So viel Eigenlob darf ich mir als Schulabgängerin leisten, vor allem da mein Tätigkeitsfeld hinter der Bühne war! Und eigentlich ist des gerade deshalb ein Lob an die Anderen. An Frau Pfeiffer, die fantastische Regiearbeit geleistet hat und an die Schauspieler, die aus sich wieder das Beste aus sich herausholten – die alten Hasen, aber auch die Neulinge, die mein geliebtes Theater mit viel Engagement, viel Talent und sicherlich auch genauso viel Herzblut weitertragen werden.

Und wenn ich gerade beim Loben bin, muss ich auch meine tapferen Mitstreiterinnen (Vroni, Isabel und Sabine) erwähnen. die keine Angst vor möderischen Tackern hatten und in den höchsten Hemisphären herumkletterten, um schwarze Vorhänge anzubringen. Sie sehen, lieber Leser, wie jedes Jahre brauchte es ein großes, vielseitiges und starkes Team, um solche Vorhaben wie die „Komödie der Eitelkeit“ auf die Beine zu stellen.

Nun ist meine Zeit an dieser Schule zu Ende und wenn ich eines in dieser Zeit gelernt habe, dann dass Mut, Zusammenhalt, Vertrauen und Spaß an kreativem Arbeiten tausendmal mehr wert sind als 15 Mathe – mein Mathelehrer möge mir das verzeihen! Hier hat man nämlich die Möglichkeit, Teil eines Ganzen zu sein. Vielen Dank dafür.

Stéphanie Michl

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