Dreigroschenoper (OST 2001)

Warum ausgerechnet Die Dreigroschenoper? Warum denn eigentlich nicht? Ich hatte doch alles, was man
braucht, um einen Erfolg sicher zu stellen:

Großartige Schauspieler,

 die schon nach der ersten Leseprobe vom Stück begeistert waren – welche Rolle hier Brechts zum Teil recht unverblümte Diktion und das leicht anrüchige Milieu spielten („Wow, da spielt doch eine Szene tatsächlich in einem Hurenhaus!“) möchte ich dahingestellt lassen – und mit denen ich jede, aber auch jede Rolle ideal besetzen konnte. Dazu ein nahezu professionelles Team hinter der Bühne sowie Beleuchter und Tontechniker, denen 100% eigentlich nie genug sind und von denen ich wusste, dass sie auch die schwierigsten Abläufe meistern würden.

Einen phantastischen Orchesterleiter

mit einem überaus einsatzfreudigem Orchester, das angesichts dieser ungeheuren Herausforderung über sich hinaus wuchs und letztendlich alle Erwartungen übertraf.

Ein enthusiastisches Publikum,

das schon während der Probenzeit nicht müde wurde, uns zu versichern, wie sehr sie sich auf unsere Produktion freue und dann tatsächlich auch zu jeder Aufführung in großer Zahl kam und uns vor vollem Haus spielen ließ.

Eine ebenso enthusiastische Schulleitung,

die uns in allen Belangen vorbehaltlos unterstützte und sich sogar als Banjospieler rekrutieren ließ. (Ich bin überzeugt, dass Herr Bartl uns auch den Reitenden Boten gegeben hätte, wenn wir nur genug insistiert hätten!)

 

… und natürlich noch diese gesunde Portion Größenwahnsinn, die uns kaum einen Augenblick daran zweifeln ließ, dass wir alle Schwierigkeiten (egal ob nun technischer oder künstlerischer Natur) überwinden würden. In absoluten Krisensituationen zitierten wir uns gegenseitig Mr. Henslow's ''It's a mystery!'' aus dem großartigen Shakespearefilm (Shakespeare in Love), in dem die Theatergruppe ja noch mit viel größeren Widrigkeiten wie einer strengen Zensur, die uns glücklicherweise erspart blieb („Isst den Fisch mit dem Messer! Das ist doch einfach eine … ) zu kämpfen hatte.

 

Kurzum: wie wir es hingekriegt haben, wissen wir immer noch nicht so recht, aber Tatsache ist, dass wir es hingekriegt haben. Und darauf sind wir stolz.

 

Margit Pfeiffer

Inhalt

Zwei Männer teilen sich die faktische Herrschaft im London des 19. Jahrhunderts: Bettlerkönig Peachum und Räuberkönig Mackie Messer.

Während Peachum die Bettler Londons koordiniert und einen Großteil ihrer „Einnahmen“ kassiert, bedient sich Mackie Messer seiner Räuberbande, der „platte“, die unter seiner Regie brutale Überfälle und Einbrüche verübt, um sich ein Leben in Wohlstand zu sichern.

Wegen Polly, Peachums Tochter, kommt es zwischen den beiden jedoch zum „Machtkampf“:

Eines Tages, nachdem Mr. und Mrs. Peachum gerade den Bettler Filch in ihren „Angestelltenkreis“ aufgenommen haben und ihm die grundlegenden Anforderungen seiner zukünftigen Arbeit nahe bringen konnten, kommt Mrs. Peachum auf den neuen Liebhaber ihrer Tochter zu sprechen. Die Begeisterung für den jungen Mann schwindet jedoch schnell, als sich herausstellt, dass dieser „Gentleman“ Londons berüchtigtster Ganove, Mackie Messer, ist.

Doch die Einsicht der Eltern kommt zu spät, da Polly längst mit Mackie verheiratet ist.

Nun überschlagen sich die Ereignisse: Peachum möchte alles tun, um seine Tochter den Händen des Gangsters zu entreißen (in erster Linie, um sie wieder für sich arbeiten zu lassen). Also entschließt er sich, ihn der Polizei in die Hände zu spielen.

Er besticht die Spelunken-Jenny und überredet sie, Mackie Messer beim nächsten Bordellbesuch an die Polizei zu verraten. Sie willigt ein, Peachums Plan trägt Früchte und Mackie kommt(zunächst) hinter Gitter.

Unerwartet tritt jedoch Londons Polizeichef, Tiger Brown, ein alter Gefährte Mackies, auf den Plan. Brown könnte es nicht ertragen, den Freund am Galgen zu sehen (diese Strafe stünde dem Räuberkönig nämlich bevor). Deshalb leitet er, zusammen mit seiner Tochter Lucy, die auch in Mac verliebt ist, Mackies Flucht in die Wege.

Peachum sieht, da Mackie nun wieder auf „freiem Fuß“ ist, seine Pläne durchkreuzt. Doch so leicht gibt er sich nicht geschlagen: er droht Tiger Brown ganz London bei der kurz bevorstehenden Krönungszeremonie von Bettlerbrigaden unsicher machen zu lassen, wenn der Räuberkönig nicht schnellstens wieder hinter Gitter kommt.

Die Drohung zeigt die erwünschte Wirkung, und Brown ringt sich dazu durch, den Freund ein zweites Mal festzunehmen.

Mackie, Londons meistgesuchter, aber auch gerissenster Verbrecher, scheint seine „Karriere“ nun am Galgen zu
beenden …

Zurück