Unterm Milchwald (OST 2000)

Inhalt

Das Spiel beschränkt sich auf einen einzigen, sonenüberstrahlten Frühlingstag in dem fiktiven Ort Llareggub. Das Alltagsleben der Einwohner wird in loser Episodenreihung dargestellt, eine dramatische Handlung im herkömmlichen Sinn fehlt. Zwei Sprecher vermitteln zwischen den Figuren und dem Zuschauer, sie führen die Personen des Spiels ein und verbinden die assoziativ verknüpften Dialoge.

Das zyklisch konzipierte Stück setzt mit einem Vorspiel ein, in dem die verworrenen Träume der verschiedenen Charaktere gezeigt werden. Eine kurze Beschreibung des Ortes leitet zur Schilderung des geschäftigen Morgens über. Bald löst träge Nachmittagsstimmung das bunte Treiben ab, bis sich schließlich die Dämmerung über den Ort senkt und die Nacht, erfüllt von Liebe und Musik, den Tageslauf schließt.

Die Liebe in ihren verschiedenen Erscheinungsformen verleiht dem Stück thematische Einheit: Die sinnliche Liebe, von der der blinde Captain Cat nur noch träumt, ist u.a. in der Gestalt der Polly Garter, Mutter von mehreren unehelichen Kindern, und in der des Bäckers Dai Bread, der in fröhlicher Bigamie lebt, verkörpert; die platonische Liebe in der Beziehung zwischen dem Tuchhändler Mog Edwards und der Schneiderin Myfanwy Price, die sich täglich glühende Liebesbriefe schreiben, aber doch nie zusammenkommen (wollen); die Hassliebe im Schulmeister Pugh, der seine ständig nörgelnde Frau zu gerne vergiften würde; die Nächstenliebe in der Figur des Eli Jenkins, der keinen Arg kennt. Die Liebesthematik lässt sich bis in die Natur verfolgen- der Milchwald (für die Verliebten willkommene Liebeslaube, für den puritanischen Schuster Jack Black Ort der Sünde, für Eli Jenkins Zeugnis von der Unschuld des Menschengeschlechts) und das Meer sind die beiden das Geschehen tragenden Elementarbereiche.

 

Margit Pfeiffer, Spielleitung

Pressestimmen

Ein traumhafter Einstand

Auch unter neuer Regie überzeugt die Theatergruppe des Gymnasiums

Märchenhaft zwischen Traum und Realität geführt, spannt sich der Bogen von Nacht zu Nacht in Dylan Thomas Hörspiel "Unter dem Milchwald", das die Theatergruppe des Gymnasiums glänzend in Szene gesetzt, spielend wie spielerisch leicht bewältigt hat. Zu Recht gibt es am Ende lang anhaltenden Applaus für diese Bravourleistung.

Der Auftakt des Stückes, im Original ein gewaltiger Monolog, wird den "Schläfern" überlassn, die sich über den Zuschauerraum hin zur Bühne bewegen. Exzellent ist auch jene Dorfbesichtigung, bei der Straßen und Plätze ins Auditorium verlegt und so alle Anwesenden zu stummen Mitspielern werden. Das Spiel mit Licht und Schatten, brennende Kerzen, ein minimalistisches, jedoch bewegtes Bühnenbild mit Rampen, Schrägen, Podesten und schwarzen Hängern reichen vollends aus, um dieses fantastische Stück in lyrischen Bildern und beschalicher Bewegung auszubreiten wie eine Seite aus 1000 und einer Nacht. Die Kärrnerarbeit in dieser Inszenierung leisten Nina Müller (Erste Stimme) und Sabine Lurz (Zweite Stimme), die alle Personen, während diese schlafen und träumen, vorstellen. Des Tages verbinden sie die Anspiele der Dorfbewohner mit kurzweiligen Einlassungen, Kommentaren, poetischen Bildern und viel Fantasie. Wie diese jungen Akteure die enorme Fülle und Dichte des Textes, endlose Reihungen und Alliterationen erzählerisch leicht aufbieten, das ist schon mehr als verblüffend. So bleibt für den Zuschauer die Zeit, sich an der Sprache zu laben. Es wirkt nichts hastig oder zu schnell, alles bewegt sich eben so, wie das Leben in dem verträumten Dorf Llareggub. Und so geht es hin in den Schlaf. Da ist der alte Captain Cat (Arne Geisel), der seiner Zeit als Schürzenjäger nachgeträumt und doch seiner großen Liebe nachweint. Missis Ogmore-Pritchard (Marina Blattenberger) schwingt selbst im Schlaf noch das Szepter bei ihren längst verblichenen Ehemännern, die ihren Pflichtenkatalog zu rezitieren haben. Hier ein Paar, das in platonischer Liebe aufgeht, dort ein Ehemann, der sich mit zunehmender Begeisterung ans Giftmischen macht und davon träumt, seine Ehefrau rückstandsfrei zu vergiften. Dort ein leidenschaftlicher Säufer, hier der Dorfklatsch. Auch am Tage ist das Stück eine traumhafte Begegnung mit den Bewohnern des Ortes, ein augenzwinkernder, bisweilen bissiger Blick hinter die Kulissen.

In den kurzen Spielsequenzen ist in Maßen für Komik gesorgt. Da ist jedoch nichts, das den Herrlich ausgebreiteten Bogen des Textes stört, nichts, das unverbunden wirkte. Alles ist aus einem Guss in dieser Inszenierung Margit Pfeiffers, die mit "Unter dem Milchwald" einen exzellenten Einstand als Leiterin der Theatergruppe des Gymnasiums feiern kann. Absolut stimmig sind Licht und eingestreute Musik, der Sprung des Lords aus der Kiste, a capella gebotene Lieder, Kostümierung und Schlussbild.

"Die dunkle Nacht ist ein Hügel von Fenstern", jetzt fehlt nur noch "leckrig lakriziger moorschwarzer Tee."

Erdinger Anzeiger (ulf)

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